21/05/2011 „Die ‚Dorado‘ ist die beste Downhill-Gabel der Welt!“ Wer schon ein paar Jahre im Big-Bike-Sattel sitzt, wird sich noch an dieses oder ähnliche Statements begeisterter Manitou-Piloten erinnern.
Doch das war vor etwa acht Jahren – einer Ewigkeit also. Damals war die „Dorado“ tatsächlich die Big-Bike-Gabel schlechtin. 2004 kam eine Weiterentwicklung, die „MRD X Works“ mit dem damals neuen „SPV-System“ auf den Markt. Das war das Aus für den guten Ruf der „Dorado“. Denn das „SPV-System“ funktionierte nicht und durch die engen Gleitbuchsen litt das Ansprechverhalten der Gabel. Manitou wurde nach hinten durchgereicht und von Rock Shox und Fox überflügelt.
2010 meldete sich Manitou zurück und wollte mit einer neuen „Dorado“ an die glorreiche Zeit anknüpfen. Optisch sieht die wuchtige Upside-down-Gabel aus wie früher – das Innenleben ist aber ein völlig anderes. Die Gabel arbeitet mittels Doppelkammer-Luftfederung, „TPC+“-Dämpfung sowie High- und Lowspeed-Druckstufe. Luftgabeln lassen sich immer komplizierter abstimmen als die Stahlfeder-Öl-Kollegen, doch bei der „Dorado“ mit ihren vielen Einstellmöglichkeiten muss man noch mehr rumprobieren. Die einzelnen Klicks verändern die Performance spürbar – und mit viel Geduld findet man irgendwann das Optimum. Dann lassen sich die luftgabeltypischen Schwächen wie schweres Losbrechmoment und durchrauschender Federweg erstaunlich gut kompensieren.
Das macht die Gabel zu einer echten Alternative zu Fox & Co. Die „Dorado“ ist die einzige Gabel auf dem Markt mit einer motocross-typischen „Upside- down“-Bauweise. Die Philosophie hinter diesem System: Die ungefederte Masse am Bike soll möglichst reduziert werden, was wiederum mehr Agilität und ein sensibles Ansprechverhalten mit sich bringen soll. Erfreulicher Nebeneffekt: Nach einem Sturz kann man die verzogene Gabel problemlos wieder in Form „biegen“: Einfach die Schrauben der Gabelkrone lösen, die Standrohre sauber ausrichten, fertig! Nachteil des Systems: spürbarer Flex. Zieht man beherzt die Vorderradbremse, verdreht sich die Gabel in Richtung Bremsscheiben und das Vorderrad folgt dieser Richtung. Klingt dramatisch, doch in der Praxis störte uns das nicht wirklich. Die Performance ist für eine Luftfedergabel beeindruckend gut. Vor die Wahl gestellt, würden wir dennoch zu einer Stahlfeder-Gabel greifen. Doch das ist dann eher eine Gesinnungsfrage.
Preis: 1949 Euro, www.answerproducts.com
PLUS: Verarbeitung, Einsatzbereich, Verstellmöglichkeiten
MINUS: aufwändige Abstimmung, Flex der Standrohre, teuer
Fazit: Mit der hochwertigen „Dorado“ meldet sich Manitou zurück auf dem Doppelbrückenmarkt. Die Performance ist für eine Luftfedergabel beeindruckend gut, daher ist die Gabel eine ernstzunehmende Alternative zu den dominierenden Modellen von Rock Shox & Co. Das aufwändige Einstellungsprozedere überfordert wohl manchen Fahrer, ist aber erforderlich, um tatsächlich die volle Performance aus der Gabel zu holen. Kurzum: alles andere als Plug & Play.
