Bikepark Test 2016: Kandersteg – Berner Oberland

Schweizer Alpin-Spaß: Bikepark Kandersteg

05.02.2017 Dimitri Lehner - Neuzugang: Das Berner Oberland tut sich noch immer schwer mit der "neuen" Sportart Mountainbiken. Und so ist es der lokalen Szene zu verdanken, dass dieser Park entstand.
Bikepark Test 2016: 6 Bikeparks mit Spaßfaktor
© Veranstalterfoto
Kandersteg: Schweizer Wertarbeit: Beim großen Wallride zeigten die Zimmermänner, was sie drauf haben. Nervenstarke können rausspringen.

Kandersteg liegt am Ende des Kandertals, umgeben von Felswänden. Das heißt: wenig Sonnenstunden, kühler als anderswo, der Schnee bleibt lange pulvrig und schmilzt langsam. Das begrenzt die Saison. Dazu kommt im September ein Fahrverbot wegen der Jagdsaison.

Zugegeben: Das Kandertal ist nicht gerade ums Eck. Von Basel aus dauert es knappe 2 Stunden, von Süden aus muss man das Auto auf den Zug verladen. Dafür gibt’s das volle Schweiz-Erlebnis mit allem, was das Klischee bietet. Das fängt schon mit der Fahrt in der hochmodernen, rot-weißen Gondel an. Da wurde mit schweizer Scharfsinn ein maßgeschneidertes Aufhängesystem für die Bikes ersonnen – die Räder klemmen unterm Gondelboden. Das hebt den Komfort und die Kapazität der Gondel.

Die Strecken

Das Gelände ist hochalpin, felsig und rau, doch die Trailbauer suchten den geschmeidigsten Weg ins Tal. Es geht von 1936 Metern runter auf 1216, das heißt: satte 720 Höhenmeter und eine Gesamtlänge von 4,7 Kilometern. Bei diesen Daten verzeiht man gerne, dass es hier nur eine Strecke gibt. Einzelne kurze Abschnitte führen durch Geröll, doch der Hauptteil der Abfahrt windet sich über Erdboden ins Tal. Vorsicht: Bei Nässe wird’s schnell rutschig und die Erde klebt die Reifen zu !

Laut Betreiber gibt’s 105 Steilwandkurven – das fällt auch sofort auf, guckt man sich die Clips auf Youtube an: Der Trail gleicht einem Slalom-Parcours. 25 Jumps bespaßen den Biker, davon sind 10 als Double gebaut – das wird manchen Parknovizen schrecken, zumal einige recht groß ausfallen und die Landung nicht immer ideal ist. Doch alle Sprünge können umfahren werden. Diese "Chickenlines" sind unmissverständlich mit einem Plastikhuhn gekennzeichnet, das an einen Pfeil gefesselt ist.

Super: Eine Jumpline aus Table-Jumps erzeugt gute Airtime und verwandelt ein Flachstück in eine Spielwiese. Drops in verschiedenen Höhen folgen. Ein weiteres Highlight: ein Drop über einen Baumstamm. Bitte mehr davon! Beeindruckend ist, wie massiv die Stunts gebaut sind etwa der riesige Wallride über eine Brücke mit wildem Bergbach und Fangnetz. Kurzum: Uns hat der Kandersteg-Trail Spaß gemacht, die Kurven sind gut gebaut, die Strecke so-
lide angelegt. Der Trail ist abwechslungsreich, keine typische Downhill-Rennstrecke, sondern eine Free­ride-Abfahrt mit Gelegenheiten zum Spielen. Wer einen vollständigen Park mit unterschiedlichen Trails erwartet, wird dagegen enttäuscht.

Bikepark Test 2016: 6 Bikeparks mit Spaßfaktor
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Kandersteg: Die Jumpline mit vier Table-Sprüngen weiter unten im Trail spendiert mit steilen Absprüngen satte Airtime – gut so.

Infos

Strecken   1 Abfahrt (4,7 km/720 hm)
Lift   Gondelseilbahn
Saisonbeginn   Anfang Juni
Öffnungszeiten  8.00 – 17.00 Uhr (alle 30 Minuten)
Tageskarte Erwachsener  39 CHF
Bikeverleih  ja
Fahrtechnikschule  ja
Infotelefon  nein
E-Mail freeridetrail@gmx.ch

Entfernungen
Stuttgart 
4,5 Stunden
München   5,5 Stunden
Frankfurt  5,5 Stunden
Berlin  10 Stunden
Innsbruck  5 Stunden
Basel  2 Stunden

CHARAKTER 
Freeride 
  3 von 4 Punkten
Slopestyle   1 von 4 Punkten
Downhill   3 von 4 Punkten

SCHWIERIGKEIT
Anfänger 
  0 von 4 Punkten
Fortgeschrittene   4 von 4 Punkten
Könner   3 von 4 Punkten

Fazit: Der Freeride-Trail Kandersteg ist lang und abwechslungsreich, das macht ihn für Downhill-Bolzer genauso spannend wie für Parkeinsteiger. Tipp: Aufs Wetter achten! Bei Nässe wird’s hier schnell anspruchsvoll. 

FREERIDE-Urteil   6,5 von 10 Punkten

Bikepark Test 2016: 6 Bikeparks mit Spaßfaktor
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Kandersteg: Farbklecks: Der Buntstifte-Drop ist gut gebaut,  nicht zu hoch und daher für viele Biker lustig. Solche Gimmicks machen Spaß!
FREERIDE Titel 2/2016
© Martin Söderström
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