Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau

Den Trail musst du fahren: Tschilli-Trail

04.08.2016 Dimitri Lehner - Supertrails, die jeder Freerider kennen sollte – diesmal: Tschilli-Trail, unsere Enduro-Teststrecke in Latsch. Was den Trail zum „Must Do“ macht? Lest selbst.
Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau
© Wolfgang Watzke
Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau

Jeden Herbst und jedes Frühjahr der gleiche Mist: wohin nur zum Trail-Shredden? Lange Zeit fühlten wir uns wie Könige ohne Königreich: die geilsten Bikes an der Hand, doch keine spaßigen Trails weit und breit. Zähneknirschend setzten wir uns also 7 Stunden ins Auto und kutterten für die ersehnte Flow-Dosis an die italienische Riviera nach Finale Ligure. Doch dann entdeckten wir den Tschilli-Trail in Latsch. Auch hier schien der ewige Sommer zuhause. Das Vinschgau ist von Sonne gesegnet. Ein Wall aus Bergen blockt die bösen Regenwolken ab, lässt das Schmuddelwetter wie eine Firewall abprallen und treibt die Quecksilbersäule nach oben. Dafür nehmen wir die 3,5 Autostunden (von München aus) gerne in Kauf. Ein paar Abfahrten auf dem Tschilli-Trail reichten und wir erhoben den Pfad in Südhanglage in den Adelsstand: Er wurde unsere offizielle FREERIDE-Teststrecke.

Nimmt man die Bergbahn (geht leider nur morgens und spätnachmittags oder in Begleitung eines Guides) gibt’s 7,8 Kilometer Trail mit 1045 Abfahrtsmetern. Da wir uns für die vielen Testrides shutteln lassen, steigen wir etwas weiter unten ein, biegen von der Asphaltstraße ab, die ins Dorf St. Martin führt (Trail ist gut ausgeschildert) und tauchen in den Bergwald ein.

Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau
© Wolfgang Watzke
Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau

Die ersten Meter wellen sich zahm dahin. Kurze Wurzelpassagen wechseln sich mit steinigen Stücken ab. Immer wieder schwingt der Trail nach rechts und links. Das Bike kippt lustvoll durch die Turns. Noch ist alles easy, doch das Gefälle nimmt jetzt zu. Der Waldboden verschwindet und Felsplatten schieben sich unter die Reifen. Hier, im zornigsten Teil des Trails, bringen wir beim Testen die Fahrwerke ans Limit und so manchem Enduro kommen die Tränen. Dann beginnt es zu jammern und gesteht unter den harten Hieben seine Schwächen. Nach ca. 300 Metern endet das Geknüpple und wir kurbeln ein schmales Sträßchen 2 Minuten bergauf, bis der Trail rechts abzweigt und der zweite Abschnitt beginnt. Hier ist der Pfad meist staubig und verläuft tief eingegraben im Berghang. Ein Hohlweg mit viel Gekurve, lustigen Geländehopsern und Bodenwellen. Dieses Stück ist perfekt, um den Enduro-Bikes die Sporen zu geben und ihre Wendigkeit zu testen. Leider geil! Unsere Lieblingspassage endet auf den Annaböden, Almwiesen hoch über dem Tal.

Hier beginnt der dritte Teil. Erneut zeigt der Trail ein ganz anderes Gesicht. Der Wald bleibt zurück und jetzt schaukelt der Trail in langen Schleifen durch gelbes Steppengras. Wir nennen diesen Teil scherzhaft Kamloops. Handtuchbreit schlängelt der Tschilli nun den Hang entlang – vermeintlich zahm und mit nur wenig Gefälle. Doch wer es laufen lässt, erlebt einen Freudentanz, als würde man durch einen riesigen Pumptrack surfen. Eine Kurve jagt die nächste. Wer die Linie verfehlt, ist raus. Wem die Nerven durchglühen, ist raus. Konzentration. Flow. Spaß. Nervenkitzel. Hier gibt es all das im Superkonzentrat. Natürlich kann man auch slowly durch die Turns fahren und um Felsbrocken und Steinnasen zirkeln. Doch schnell ist sexy! Gegen Ende wird’s noch mal technisch und steil, dann endet der Trail in den Rebhängen am Bergfuß und wir rollen zurück zur Schnellstraße, wo im besten Fall schon der Shuttle für den nächsten Run wartet.

Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau
© Wolfgang Watzke
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Italien: Tschilli-Supertrail im Vinschgau
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© FREERIDE Magazin
Tschilli-Supertrail im Vinschgau
FREERIDE Titel 4/2015
© Ale Di Lullo
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