Bikepark Winterberg Deutschland

Bikepark-Test: Deutsches Whistler?

24.04.2014 Dimitri Lehner - Winterberg begeistert mit seiner Streckenvielfalt und sehr gut gebauten Features. Für jeden ist etwas dabei. Doch die Trails sind kurz, der Downhill eher einfach.

Es gibt Stimmen, die behaupten der Bikepark Winterberg im Sauerland sei das Whistler Deutschlands. Eine ziemlich selbstbewusste Aussage, denn der "Berg" in Winterberg ragt gerade mal 178 Höhenmeter aus der Umgebung auf, ist also eher ein kleiner Buckel. Doch Streckendesigner des Parks ist Diddie Schneider. Er gilt als der Kursbauer mit der meisten Erfahrung (über 350 Stecken weltweit) und hat auch den Bikepark Geißkopf gebaut – den Spitzenreiter des letzten Tests. Vielversprechend: Insgesamt sind neun Strecken in der Übersicht eingezeichnet, der Hügel ist also vollgepackt mit Trails und Stunts. Bonuspunkte gibt es für die Bandbreite: Von leicht bis anspruchsvoll ist alles dabei. 

© FREERIDE Magazin

Wer hier nicht tricksen lernt, lernt's nie. In Winterberg drängen sich spaßige Stunts so dicht wie in einem Hochseilgarten - für alle Könnensstufen. Stumpfe Landungen und gefährliche Mutproben sucht man hier vergebens. Sehr gut!

Die Strecken

Unten an der Bikestation mit Werkstatt und Verkauf steht ein großzügiger Übungsparcours (Tables und Bodenwellen) – hier findet wirklich jeder Beginner ein paar Linien, um sich einzufahren bzw. langsam an den Sport heranzutasten. Die ein oder andere Dirtline fanden wir leider etwas unrhythmisch – eswar nicht einfach alle Sprünge durchzuspringen, zu oft landeten wir auf dem Table. Das tut nicht weh, ist  aber  etwas  ärgerlich.

Der  "Continental  Track"  ist  die  nächste  Stufe  zum  Glück.  Hier  geht  es  auf Brechsandlinien oder alternativ auf breiten, eher niedrigen Northshore-­Bauten dahin. Die Idee ist gut, die Strecke eher flach und leicht zu fahren. Neulinge probieren sich hier aus und Könner springen über die eher kurzen Tablesprünge. In Winterberg wimmelt es vor Northshore­-Bauten und Holzrampen, alle sind solide und gut gebaut, allerdings ohne Drahtbezug. Bei Regen und Nässe wird’s schnell rutschig.Über die Fourcross­-Strecke gelangt man zum Slopestyle-­Parcours. Der Fourcross ist sehr breit angelegt und gut gewartet. Die Tablesprünge sind für Fourcross­-Verhältnisse moderat, auch nicht allzu erfahrene Biker können hier Spaß haben und sich an den Sprüngen ausprobieren.

© FREERIDE Magazin

Mustergültig: Die Stunts und Holz-Features sind in Winterberg solide und durchdacht gebaut, da können sich viele andere Parks eine dicke Scheibe abschneiden.

Der Slopestyle-­Park ist sicher das Markenzeichen von Winterberg – hier können die Trick­-Fans sich austoben. Die Hindernisse sind ver­nünftig gebaut und nicht zu krass. Neben einer Jump-­Box finden sich diverse Dirtjumps, Drops sowie eine Bowl – alles sehr spaßig. Der "Fun Ride" und der "Giro Free Cross" sind dagegen schon etwas flotter in der Gangart. Der "Free Cross" ist eine Freeride-­Strecke aus Brechsand mit teilweise eingesetzten, störenden Betonelementen. Diese sollen die Bildung von Bremswellen unterdrücken, leider unterdrücken sie aber auch die Bremswirkung – gerade bei Nässe. Die Streckenführung ist etwas monoton – es geht quasi in Serpentinen hinunter – hier hätten wir uns über ein wenig mehr Abwechslung gefreut.

Der "Fun Ride" ist nur halb so lang wie der "Free Cross", auch er schlängelt sich in Serpentinen zu Tal, nur ohne Brechsand. Parallel dazu verlaufen ziemlich lange Northshore­-Bauten. Zwar schön und breit gebaut, herunterstürzen sollte  man  hier  aber  nicht  –  strecken­weise  sind  sie  über  zwei  Meter  hoch. Am  Ende  dieses  Abschnittes  steht  ein etwa 3,5 Meter hohes Roadgap mit guter Landung. Dennoch gibt es einen Adrena­-lin­-Boost, denn nach der Landung geht’s gleich um die Kurve. Downhiller kommen in  Winterberg  nicht  wirklich  auf  ihre Kosten,  denn  der  "iXS-­Downhill  Track"ist ziemlich flach und nur einen Kilome­ter  lang.  Wer  also  ernsthaft  an  seinen Downhill­-Qualitäten  arbeiten  will,  wird sich in Winterberg unterfordert fühlen. Spaßig ist der Kurs dennoch.

Informationen zum Bikepark Winterberg:

  • Strecken: 6
  • Lift: Sessellift
  • Saisonbeginn: April
  • Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10.00-18.00 Uhr, sonst 9.00-18.00 Uhr
  • Tageskarte : 29,50  Euro
  • Bikeverleih: ja
  • Fahrtechnikschule: ja
  • Infotelefon: +49 (0)2981-9199909
  • E-Mail: info@bikepark-winterberg.de

Entfernungen:

  • Stuttgart 4 Stunden
  • München 6 Stunden
  • Frankfurt 2 Stunden
  • Berlin 5,5 Stunden
  • Innsbruck 7,5 Stunden
  • Basel 5 Stunden
Einsatzbereiche
Freeride  * * - -
Slopestyle * * * *
Downhill * * - -
Schwierigkeit
Anfänger   * * * -
Fortgeschrittene * * * -
Könner * * * *

Gesamtwertung: 8 von 10 möglichen Punkten

Dirtjump- und Slopestyleangebote sind eindeutig die Stärke dieses Parks, was kaum Federweg voraussetzt. Nervig: der langsame Lift.

Weitere Infos unter http://bikepark-winterberg.de/de/

Artikelstrecke "Spielwiese oder Stolperfalle? Lustgarten oder Survival-Parcours?"
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