Dauertest: YT Jeffsy CF Pro Race 27,5

Trailbike: YT Jeffsy CF Pro Race 27,5

28.07.2020 Laurin Lehner - Das YT Jeffsy musste sich ein Jahr lange im Langzeittest beweisen. Was bleibt: ein zufriedener Tester und immer noch dieselbe Leier.
Dauertest: YT Jeffsy CF Pro Race 27,5
© Laurin Lehner
Kurzzeitig ausprobiert: Der Stahlfederdämpfer DVO Jade X presst zwar mehr Komfort aus dem Heck, bringt aber auch 400 Gramm extra auf die Waage. Keine gute Idee bei einem Trailbike.

Kennt Ihr diese Typen mit ein und derselben Leier? Mir fallen gleich drei ein. Mein Kumpel Hans zum Beispiel. Beim Stichwort Reifen drückt er mir jedes Mal einen Vortrag rein, warum der Schwalbe Magic Mary der allerbeste Reifen ist. Oder mein Kumpel Dennis: Er ist davon überzeugt, dass man sich im Leben lieber einmal Qualitätswerkzeug zulegt, statt ständig irgendeinen Billigramsch. Und dann ist da noch Kollege Henri. Er missioniert bei jeder Gelegenheit über die Vorzüge von Hardtails. Verrückt: Die Typen wissen, dass sie sich ständig wiederholen – und machen es dennoch.

Umso betroffener fühlte ich mich, als mir ein Kollege sagte, dass ich auch so eine Leier auf Lager habe. Er sagte, er könne meinen Vortrag zum Thema Trailbikes nicht mehr hören. Er meint damit meine These: Trailbikes sind die neuen Alleskönner – Enduros mittlerweile Spezialisten. Und er mag recht haben! Doch was soll ich machen, das Thema beschäftigt mich nun mal, besonders seitdem ich mir das YT Jeffsy als Dauertest-Bike zugelegt habe. Eigentlich deklariert der Hersteller das Bike als Trailbike, faktisch ist es mit 160 Millimetern Hub vorne und hinten, dicken Reifen und einem 800-mm-Lenker ein waschechtes Enduro. Ich wollte aber ein Trailbike. Also verpasste ich dem Jeffsy einen schmaleren Lenker, kürzeren Vorbau und leichtere Reifen. Das liegt eine Weile zurück, und das Bike gefällt mir seither sehr gut.

Für die zahme Hausrunde ist das Jeffsy genau richtig. Es huscht willig um Kurven, lässt sich spielend einfach aufs Hinterrad ziehen und zum Bunny-Hop abdrücken. Auf Berg-Touren in den Voralpen fand ich heraus, dass 27,5-Laufräder zwar handlicher sind, doch nicht nur in der Theorie schlechter über Felsnasen rollen. Auf flowigen Strecken wie die in Freiburg fühlt sich das Jeffsy am wohlsten. Dank Plattformfunktion im Dämpfer und zentraler Sitzposition tritt es sich gemütlich den Berg hoch und belohnt den Piloten auf der Abfahrt mit viel Spieltrieb und Popp bei Sprüngen. Mehr Komfort im Heck habe ich mir auf groben Abfahrten gewünscht – wie zum Beispiel auf den Wurzelpisten in Reschen/Nauders. Trotz Fox-Factory-Fahrwerk und 160 Millimetern Hub in Front und Heck ließ das Jeffsy weniger Tempo zu als so manches andere Bike in dieser Feder­wegsklasse. Doch das darf ein Trailbike ja auch irgendwie – und das ist mein Jeffsy mittlerweile. 

PLUS  Handling, Haltbarkeit, Optik

MINUS  Hinterbau, Serien-Specs

FAZIT: Das Jeffsy ist kein Spezialist, sondern ein Generalist. Es kann alles auf einem sehr hohen Niveau. Die Gewichtung Tour, Trail, Abfahrt ist nahezu ausgewogen. Dennoch: Es gibt spritzigere Trailbikes.

Laurin Lehner war überrascht, wie einfach man Gewicht durch Tubeless-Reifen einsparen kann. Mittlerweile sieht er jedoch mehr Nach- als Vorteile. "Immer dieses Nachpumpen, und Platten holt man sich dennoch – dann allerdings mit einer Riesen­sauerei", sagt er. 

Laurin Lehner
© Dimitri Lehner
Laurin Lehner, FREERIDE Redakteur

YT Jeffsy CF Pro Race 27,5

Federweg: 160 mm / 160 mm
Rahmengröße: M
Reach / Stack: 440 mm / 611 mm
Einsatzgewicht: 13,2 Kilo (mit Pedale)
Preis: 5299 €


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