Interview mit Zweifach-Weltmeister Danny Hart

Voll auf Speed

08.10.2020 Dimitri Lehner - Danny Hart gewann den letzten Worldcup in Snowshoe. Trotz Corona will der Engländer auch der erste sein, der das nächste Race gewinnt. Das wäre dann kein Worldcup, sondern die Weltmeisterschaft in Leogang.
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Danny Hart: Downhillweltmeister 2011 uns 2016 und einer der spektakulärsten Fahrer im Worldcup, weil immer „on the Edge“. Foto: Ale di Lullo

Danny, was gefällt dir an Schladming?

Der Fahrfluß und die Länge des Tracks. Du musst nie arbeiten, um Geschwindigkeit zu kriegen. Du rollst aus dem Start und bist nach wenigen Sekunden, also sofort eigentlich, voll auf Speed. Das mag ich. 

Wir hätten dich in Leogang vermutet, nicht in Schladming.

Ich habe bereits in Leogang trainiert. In Leogang ist der Track im Grunde gleich geblieben, doch eine Sektion wird umgebaut und war deswegen gesperrt. Paar Tage in Leogang, einige Tage in Kirchberg, jetzt hier in Schladming. Das ist eine gute Mischung und die optimale Vorbereitung auf die WM. 

Wird die WM überhaupt stattfinden, was meinst du?

Ich war skeptisch. Hättest du mich vor einigen Tagen gefragt, hätte ich vermutlich Nein gesagt. Doch als ich bei den Organisatoren in Leogang war und gesehen habe, was sie alles anstellen, habe ich meine Meinung geändert.

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Hauptsache schnell: Danny Hart schanzt über die Brücke in Lenzerheide.

Werden alle kommen?

Keine Ahnung. Das einzige, was ich weiß ist, dass ich dort sein werde.

Mindert das den Wert der WM, wenn einige Stars nicht kommen?

Wenn du das Regenbogen-Trikot trägst, interessiert das keinen mehr.

Weißt du überhaupt, wie stark deine Gegner sind?

Loic Bruni und Loris Vergier sind auf Top-Speed. Doch das verwundert nicht. Schwer zu sagen, wer besonders gut drauf ist. Ich weiß, dass ich schnell bin, ich fahre gut, fühle mich wohl auf meinem Bike, habe eine Menge trainiert und bin auch körperlich topfit. Das ist eigentlich alles, worum es mir geht. Kurzum: Ich habe die besten Voraussetzungen.

Was ist mit Aaron Gwin? Wird es ihm gelingen Anschluß zu finden?

Es ist auf der einen Seite sicher schwer, nach Verletzungspech wieder ganz nach vorne zu fahren. Auf der anderen Seite, ist Gwin einer der Mental-Helden im Worldcup-Zirkus. Und Leogang spielt ihm zusätzlich in die Karten, denn er hat dort eine hervorragende Track-Bilanz. Denk nur an seinen Siege ohne Kette. Gwin ist in Leogang immer gut gefahren. So was hilft dir als Racer psychisch besonders.

Hast du einen Liebling unter den Downhill-Tracks? 

Puh, schwierig, da einen rauszufiltern, denn es gibt so viele gute Tracks. Letzte Woche war ich zum Beispiel in Kirchberg in den Kitzbühler Alpen, denn dort gibt es eine ganz unglaubliche Abfahrt. Sie nennt sich Gaisberg-Trail. Dort wurden vor einige Jahren die österreichischen Meisterschaften abgehalten. Als ich noch bei Mondraker war, haben wir da trainiert. Und auch jetzt trainiere ich dort verdammt gerne. Der Trail hat alles, was ich mir wünsche: Er ist steil, fordernd, schön schnell und in einer wunderschönen Landschaft. Und im Worldcup? Leider sticht da keiner raus, dass ich sagen könnte: Das ist mein Liebling. Seit Jahren fahren wir auf den immer gleichen Tracks. Leider. Schladming würde rausstechen, denn die Abfahrt macht so viel Spaß – doch hier gibt es keinen Worldcup. 

Killt Corona den Worldcup?

Das Covid-Desaster hat die Worldcup-Teams unter einen immensen Druck und Stress gesetzt. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist ein einziger Alptraum. Von den individuellen Problemen mal abgesehen. Ich konnte zuhause zum Beispiel nicht mehr ins Fitness-Studio. Die waren alle geschlossen. Daher musste ich mir ein eigenes Fitness-Studio einrichten. Außer Rennrad fahren ging lange gar nix.

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Um ordentlich Wumms in den Beinen zu haben, trainiert Danny Hart intensiv auf dem Rennrad. „Da fahre ich nicht ewig umeinander, sondern zwei Stunden richtig intensiv“, sagt Danny.

Was konntest du daheim machen?

Ich bin Athlet. Also musste ich raus zum trainieren. Als der Lock-Down begann war ich richtig motiviert, super fit zu werden. Nicht nur für meinen Job als Racer, auch für mich selbst. Doch das schaffte ich nicht lange aufrecht zu halten. Die Motivation verpuffte als sich die Vorhersagen ständig änderten.

Trainierst du auch mit dem E-Bike?

Saracen hat noch keins im Programm. Doch sobald sie eines haben: ja.

Ist Enduro-Racing was für dich?

Warum? Denen geht es doch auch nicht besser, soweit ich weiß. Auch bei den Enduristen wurden viele Rennen abgesagt. Sie haben keine Weltmeisterschaften.

Hatte die Corona-Zeit auch was Positives?

Ja. Meine Frau und ich haben Nachwuchs bekommen. Statt unterwegs zu sein, konnte ich bei meinem Baby sein. Wir haben geheiratet und ich genoss die Zeit daheim mit Frau und Tochter.

Was wird 2021 passieren?

Überall gibt es Budget-Kürzungen. Auch mich drückt dieser Virus in eine prekäre Lage. Da gibt es jede Menge Fragezeichen. Das stresst mich. Ich will so schnell wie möglich meine 2021-Verträge abschließen und wissen, woran ich bin. Darauf will ich mich konzentrieren. Daher werde ich auch keine Red Bull Hardline mitfahren, wenn sie denn überhaupt stattfindet. Oh Mann, die Corona-Nummer hat mir wirklich zugesetzt. Ich habe die letzte Saison gut abgeschlossen, bin stark in die Off-Season gegangen und dann kam Corona. Ich bin noch immer der letzte, der einen Worldcup gewonnen hat – hoffentlich bin ich auch der erste, der wieder ein Race gewinnt.

© Red Bull
Kann auch fette Jumps: Danny Hart bei der Red Bull Hardline.
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