Freeriden mit Kindern

Kinder an die Macht

06.10.2020 Dimitri Lehner - Nie waren Kinderbikes so gut wie jetzt. Ideale Voraussetzungen für unseren Freeride-Nachwuchs. Wir befragten Freerider und Vater Andi Prielmaier, was es zu beachten gibt.
© Prielmaier
Freeriden mit Kindern im Park: „Immer die richtige Schutz-Ausrüstung!“

Andi, du hast drei Kinder. Alle wollen mountainbiken wie der Papa. Keine leichte Aufgabe, die Kleinen zu bespaßen und die richtigen Bikes zu finden, oder?

Ich habe mir tatsächlich schwer getan, die richtigen Bikes zu finden. Denn meist sind Kinderräder genauso schwer wie Erwachsenen-Bikes. Auch die Federelemente und Bremsen sind oft nicht auf Kindergewicht und Kinderhände ausgelegt. Der deutsche Versender Propain hat mit dem Yuma (für Kinder von 8-12 Jahren/bis 155 cm) ein gutes Angebot. Weil: akzeptables Gewicht, Vollfederung, gute Komponenten, eine moderne Geometrie (Lenkwinkel, Reach etc.) und die Räder lassen sich tauschen. Das bedeutet, das Bike „wächst mit“. Sind die 24-Zöller zu klein geworden, lassen sich 26-Zoll-Räder ins Bike stecken. Für kleinere Kinder ab 5 Jahren ist das Propain Frechdax interessant. Die Bikes sind zwar nicht gerade günstig. Da die Nachfrage sehr hoch ist, daher kann man gebrauchte Bikes zu einem relativ hohen Preis verkaufen. Da immer mehr Eltern mit Ihren Kleinen zum Biken in Parks gehen, begreifen auch andere Hersteller begriffen, dass sich da ein Markt auf tut und bieten ähnlich durchdachte Bikes an.

Was hältst du von Laufrädern?

Laufräder sind ideal, um Kinder ans Fahrradfahren zu gewöhnen sobald sie laufen können. Ich habe meine Kinder ganz früh auf Laufräder gesetzt. Daher brauchten sie später keine Stützräder, sondern konnten dann gleich Fahrrad fahren.

Gibt’s bei den Komponenten was zu beachten?

Ich rate für Kinder anfangs zu Kunststoffpedale, keine „Bärentatzen mit Spikes“ – wegen der Verletzungsgefahr. Alternativ: lange Schienbeinschoner. Doch die sind unbequem, und Kids tragen die daher nicht gerne.

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Freerider und Vater von drei mountainbike-begeisterten Kindern: Andi Prielmaier

Wie früh hast du deine Kinder mit in den Bikepark genommen?

Ab 5 Jahren. Bevor ich mit ihnen in den Bikepark fuhr, habe ich aber mit ihnen gezielt trainiert. Dazu habe ich einen Hindernis-Parcours angelegt. Das hat den Kids einen Riesenspaß gemacht.

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Sprung vom kleinen Vario-Drop: Langsam an die Höhe rantasten und die Technik verinnerlichen.

Wie sah der Parcours aus?

Ich habe einen höhenverstellbaren Drop gebaut. Das ist leicht, kann man selbst machen, kostet nicht viel – zirka 80 Euro. Solche Rampen gibt es aber auch zu kaufen. Sehr beliebt bei den Kindern waren Balance-Balken – nix anderes als ein Brett über das man fahren muss. Wippen und Slalom-Kurse. Der Lernerfolg ist beeindruckend, denn die Kinder lernen spielend, pushen sich gegenseitig und der Wettkampf „Wer schafft was, wie“ spornt die Kinder und deren Freunde an. Da entsteht eine Eigendynamik, die sich kaum bremsen lässt. Danach geht man Eis essen. Good Times. 

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Drop selbst gebaut: geht schnell, kostet nicht viel, lässt sich in der Höhe verstellen.

Auf welche Moves sind die Kinder besonders scharf?

Natürlich wollen sie springen. Beide Reifen in die Luft zu kriegen, war das große Ziel und das wurde richtig gefeiert. Denn da mussten die Kinder ihre Ängste überwinden – und das machte den Erfolg besonders reizvoll. Wheelie-fahren steht auch ganz hoch im Kurs. Und als die Video-Clips von Fabio Wibmer und Danny MacAskill ins Spiel kamen, gab es eh kein Halten mehr. Das wollten die Kinder und Freunde dann nachahmen. Jetzt ist die Challenge gerade: Wer springt den höchsten Drop? Doch da passe ich noch auf.

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Freeride-Papa Andi Prielmaier mit Söhnen Moritz (9, links) und Simon (11, rechts): „Da will ich schon aufpassen“.

Wie willst du da aufpassen?

Ich versuche das methodisch anzugehen. So wollte mein Sohn einen recht hohen Drop versuchen. Doch ich bestand darauf, dass er erst die weniger hohen Drops sicher schaffte. Das sah er auch ein. Sehr wirksam ist da eine Videoanalyse. Da erkennen die Kinder dann selbst, wo die Fehler stecken und merken, dass sie für den Drop oder Sprung noch nicht bereit sind. Ich filmte zum Beispiel einen Jungen, der den großen Drop sprang. Danach meinen Sohn beim kleineren Drop. Zuhause analysierten wir die Position auf dem Bike und die Technik – und dann sah er selbst ein, dass er noch etwas Übung brauchte bis er den hohen Drop angehen kann. Mittlerweile hat er den Drop geschafft. Doch Videoanalyse funktioniert erst ab einem Alter von zirka 9 Jahren.

Auf welcher Schutzausrüstung bestehst du bei deinen Kindern?

Protektoren für Knie und Ellbogen. Rückenpanzer und Vollvisierhelm. Handschuhe natürlich. Eben so, wie ich mich selbst schütze, wenn ich im Bikepark unterwegs bin. Für den Ältesten, der jetzt schon richtig schnell unterwegs ist, auch ein Neckbrace. Beim Vollvisierhelm sollte man das Gewicht im Auge behalten, denn zu schwere Helme belasten die Halswirbelsäule der Kinder zu sehr.

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Trainingsgelände: viele Bikeparks verfügen über kleine Stunts zum Warmfahren.

Wo gehst du mit deinen Kindern hin zum Bikepark-Biken?

Der Bikepark am Geisskopf mit seiner Flow-Country-Strecke ist ideal. Das ist in meinen Augen die beste Strecke, um Kinder ans Park-Biken ranzuführen. Der Bikepark Samerberg eignet sich gut mit dem Übungsareal an der Bergstation. Oder die Easy-Line in Serfaus. Meine Kinder hatten auf den blauen Strecken in Sölden auch viel Spaß.

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DH-Weltmeisterin 2035? Louisa Prielmaier (5) nimmt im Wallride die Männer-Line und fährt ganz oben. Hier in Sölden.
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