23/05/2011 Das „SX“ ist ein Nischenbike. Wer trickorientiertes Fahren liebt, ab und zu dirtjumpen geht, den Weg zum Traileinstieg aber aus eigener Kraft erreichen möchte und fahrtechnisch schon fortgeschritten ist, findet im „SX“ ein ideales Bike. Arm an Komfort, aber perfekt auf dynamischen Trailtouren und flowigen Bikeparkstrecken. Die Stabilität ist unglaublich: Dieses Bike hält definitiv mehr aus als sein Fahrer.

Ich rede gar nicht lange drum rum. Das „SX“ war zweieinhalb Jahre lang das perfekte Bike für mich und wäre es wohl auch nochmal so lang geblieben, aber Specialized wollte es zurück. Warum? Vielleicht tapezieren die sich ihre Bürowände mit abgeschrabbelten Rahmen der vorletzten Saison, oder sie sind manchmal einfach nur schlecht drauf. Was weiß ich. Jedenfalls war das Teil an dem Tag, als es in den Karton wanderte, in quasi perfektem Zustand. Und das sagt eigentlich alles.

Aber der Reihe nach: Specialized hat 2009 das „SX“ zusammen mit dem „SX Trail“ einem extremen Facelift unterzogen. Hydroforming bis an die optische Schmerzgrenze und eine komplett neue Dämpferanlenkung, die ein durchgängiges Sitzrohr erlaubt. Das „SX“ ist als kleiner Slopestyle- und Fourcross-Ableger des Freeride-Bikes konzipiert, mit einzigartigem Geometriekonzept: Nur 105 Millimeter Federweg liefert der Fox „Float RP3“-Luftdämpfer am Heck. Das Tretlager ist mit knapp 310 Millimetern sehr tief, der Lenkwinkel liegt mit 66 Grad aber auf Freerider-Niveau. Dazu kommt eine Hinterbaulänge von nur 419 Millimetern – dirtstyle. Das „SX“ gab es 2009 nur als Rahmenkit. Ich habe es mit einer auf 110 Millimeter Hub getravelten Fox „36 Float“ und „Saint“-Schaltung aufgebaut. Mit leichten, robusten Parts kam es auf knapp 14 Kilo komplett.

Vom ersten Tag an habe ich das Bike hart rangenommen. Tägliche Trailtouren, regelmäßige Bikeparkbesuche. Dirtjumps. Ich bin viel gestürzt in den letzten Jahren. Dabei gab es Abgänge, die andere Rahmen vermutlich mit abgerissenen Steuerrohren, oder zumindest Verzug im Geröhr quittiert hätten – das „SX“ hat sie ohne Mucken geschluckt. Selbst der Lack hielt gut. Viel Komfort habe ich von dem Bike nicht erwartet und auch nicht bekommen. Der Hinterbau arbeitet zwar sehr linear, aber mir geringer Endprogression und braucht deshalb hohen Druck, um bei harten Landungen nicht unangenehm durchzuschlagen. Ist die Gabel entsprechend abgestimmt, wird eine Wurzelpassage zur heftigen Rütteltour. Aber das machte für mich letztlich den Reiz des Bikes aus: Das „SX“ will aktiv gefahren werden. Hindernisse auszusitzen empfiehlt sich nicht, wenn man seine Bandscheiben mag. Dafür beschleunigt es enorm im Antritt und springt extrem gut. Aber Vorsicht bei verpatzten Landungen: Der Grenzbereich ist sehr klein. Das direkte Fahrverhalten und das gute Feedback vom Untergrund machen es ideal für schnelle Singletrails mit engen Kehren. Auch in Bikeparks hatte ich damit viel Spaß. 2010 wurde der „SX“ Rahmen offiziell in Deutschland gar nicht mehr angeboten und auch 2011 muss man vermutlich den Umweg  über England gehen, um an so ein Teil ranzukommen. Aber der Aufwand lohnt sich!

Fazit: Das „SX“ ist ein Nischenbike. Wer trickorientiertes Fahren liebt, ab und zu dirtjumpen geht, den Weg zum Traileinstieg aber aus eigener Kraft erreichen möchte und fahrtechnisch schon fortgeschritten ist, findet im „SX“ ein ideales Bike. Arm an Komfort, aber perfekt auf dynamischen Trailtouren und flowigen Bikeparkstrecken. Die Stabilität ist unglaublich: Dieses Bike hält definitiv mehr aus als sein Fahrer.

PLUS: Handling, Stabilität, Geometrie

MINUS: kein Import nach D 2011, etwas schwache Endprogression

Preis: ca. 1600 Euro, www.specialized.com