Giant „Reign X0“

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09/03/2011 Fazit: Das „Reign X0“ ist im Prinzip ein gutes Enduro. Die Geometrie ist stimmig, der Rahmen sehr leicht und die Federung arbeitet feinfühlig mit guter Endprogression. Die untere Wippe war aber zu fragil (2011 geändert), der Stützenverstellbereich ist viel zu gering und die Kettenführungsmontage problematisch.

Der Rahmen musste Testfahrer Christian dieses Jahr durch Dick und Dünn folgen. Auf dem Plan standen mehrere Trips nach Portes de Soleil, der Mégavalanche und dazwischen alles, was den Alterungsprozess des Giant beschleunigen könnte: Bikeparks, Stunts, Jump Sessions, neue Tricks. Der Rahmen wiegt in Größe S rekordverdächtige 3050 Gramm inklusive Dämpfer. Mit einem hochwertigen Aufbau blieb das Gewicht des Komplettbikes so unter 14 Kilo – ein sehr guter Wert für ein Bike mit 170 Millimetern Federweg. Beim Aufbau traten zwei Probleme auf: Der Sattelstützenverstellbereich ist quasi nicht existent – nur mit einer Teleskopstütze war überhaupt eine Absenkung möglich. Konstruktionsbedingt ist das leider auch beim M-Rahmen nicht wirklich besser. Für Bikeparkeinsätze musste deshalb immer eine Stummelstütze mit. Zweites Manko: Der „Maestro“-Hinterbau besitzt am Tretlage eine Wippe. Damit die sich frei bewegen kann, ist die ISCG-Aufnahme nach hinten verdreht. Eine Kettenführung für ein Blatt vorne konnten wir daher erst nach viel Fräsarbeit und Gefrickel montieren, sonst schliff die Kette am oberen Käfig. Trotzdem: Sowohl mit Führungen von E13, als auch mit MRP gab es Probleme, sobald das Blatt mehr als 32 Zähne hatte. Eine „Hammerschmidt“-Kurbel passt ebenfalls nicht – aus gleichem Grund. Immerhin: Eine schaltbare Kettenführung mit Klemmung unter dem Tretlager (z.?B. NC-17 „Stinger“) ließ sich schließlich anbringen.

Bei den Fahreigenschaften hingegen gab es nichts zu mäkeln. Die Geometrie ist sehr gut gelungen und der Schwerpunkt liegt dank des nur 347 Millimeter hohen Tretlagers und der Position des Dämpfers tief. Der Lenkwinkel bietet mit seinen 66 Grad einen guten Kompromiss aus Laufruhe und neutral-agiler Lenkung. Der schluckfreudige Hinterbau harmonierte mit der verbauten Rock Shox „Lyrik Solo Air DH“. Bis in die zweite Hälfte des Jahres hinein verkraftete das Giant klaglos zahlreiche heftige Bikeparkeinsätze – wenn auch mit spürbarem Flex, trotz „Maxle“-Steckachse. Kurz vor Ende des Dauertests quittierte das „Reign X0“ dann auf einer Trailrunde plötzlich den Dienst: Die untere Wippe auf der Kettenblattseite brach. Anruf bei Giant: Dort war das Problem bekannt und eine neue, massiver ausgelegte Wippe bereits vorrätig. Das Bauteil ist im Bereich der Bruchstelle breiter, nicht so stark ausgefräst und gerade mal 2 Gramm schwerer. Die Zeit wird zeigen, ob die Maßnahme fruchtet. Was beim 2011er-Modell aber bleiben wird, sind die Probleme mit Sattelrohr und Kettenführung. Letzteres ist nicht ganz so schlimm, weil die meisten das Bike wohl mit einer Schaltung vorne auf-bauen werden. Warum aber gerade an der Sattelstützenverstellbarkeit nichts verändert wurde, verstehen wir nicht. Gerade in dieser Bike-kategorie ist ein möglichst großer Justagebereich wünschenswert und aus unserer Sicht mit der Konstruktion theoretisch auch vereinbar. So bleibt „Reign“-Fahrern nur die Option einer möglichst langhubigen Teleskopstütze. Preis: 1500 €, www.Giant-Bicycles.com.

+ Federungsfunktion
+ Gewicht
+ Geometrie

– Wippe gebrochen
– Verstellbereich der Stütze
– nicht jede Kettenführung passt „Hammerschmidt“ auch nicht