Test 2018: Giant Reign Advanced 0 Carbon

Schon gefahren: Giant Reign Advanced 0 C.

31.01.2018 Dimitri Lehner - Vor zwei Jahren erkämpfte sich das Giant Reign im FREE­RIDE-Test einen Spitzenplatz und begeistert seither mit seinem satten Fahrwerk. 2018 kommt ein neues Reign. Es soll alles noch viel besser können.
Test 2018: Giant Reign Advanced 0 Carbon
© Herstellerfoto
Giant Reign Advanced 0 Carbon

DAS KONZEPT

Als 2015 das Reign (frei übersetzt: Macht) neu aufgelegt wurde, war es seiner Zeit voraus: Länger, flacher, tiefer als die Konkurrenz (Reach: 444 Millimeter in M) entwickelte es bergab viel Laufruhe mit sattem 160er-Fahrwerk. Dennoch besaß das Enduro genug Spieltrieb für Gelände­sprünge, leichte Manuals und schnelle Kurvenwechsel – die ideale Mischung. 2018 zogen die Giant-Ingenieure das Bike unter Einfluss ihrer EWS-Racer noch mehr in die Länge, trimmten das Heck, dass es stabiler im Federweg steht und verpassten dem Reign (Top-Version mit Stahlfederbein) einen Remote-Lockout für besseres Klettern.

GEOMETRIE

Der Lenkwinkel von 65 Grad war schon beim Vorgänger goldrichtig, daran fummelten die Giant-Ingenieure nicht, den Sitzwinkel stellten sie jedoch auf ungewohnt flache 73 Grad. Die größte Veränderung ist allerdings der üppige Reach-Wert des neuen Reign: 459 Millimeter in Medium, 473 in Large – das ist ’ne Ansage und für alle Nicht-Racer eine deutliche Umgewöhnung. Zwar loben viele die verbesserte Fahrposition, gerade bei viel Speed, doch die gestreckte Geo will auch beherrscht werden. Salopp gesagt: Wer nicht kräftig an den Zügeln zieht, dem geht das Pferdchen schnell durch. Kein schönes Gefühl.

AUF DEM TRAIL

Zwei Tage lang scheuchten wir das Reign über steile, technische Alpentrails. Mit seiner gestreckten Geo und dem satten Fahrwerk lechzt es nach Speed und entwickelt erstaunlich viel Komfort in ruppigen Abfahrten. Im Vergleich zum Vorgänger (den hatten wir zum direkten Vergleich dabei) erfordert es jedoch mehr Körpereinsatz: Es braucht in engen Turns viel Druck auf dem Vorderrad und für Sprünge und Drops mehr Armzug. Die verbesserte Heck-Kinematik gefiel – das Heck sackt weniger weg und das Fahrwerk erzeugt ausreichend Gegendruck. Dank zusätzlichem Lock-out klettert es williger als der Vorgänger. Gut so!

FÜR WEN?

Das neue Reign ist noch potenter geworden – ein abfahrtsverliebtes Enduro, das steile, schnelle Trails bevorzugt und eine aktive, erfahrene Fahrweise voraussetzt, will man sein Potenzial ausreizen. Damit schreckt es selbst vor groben Bikepark-Einsätzen nicht zurück. Für Typen wie EWS-Racer und Reign-Mitentwickler Josh Carlson mag die neue Geometrie des Reign genau richtig sein, denn die EWS-Strecken gleichen ohnehin immer mehr Downhill-Racetracks. Wir vermissten etwas den verspielten Charakter des Vorgängers. 


FREERIDE Titel 4/2017
© Nathan Hughes
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