Federgabel Test 2017: Deutsche Ingenieurskunst

Intend Enduro-Gabel mit 164 mm Federweg

27.11.2017 Peter Nilges - Solche Storys lieben wir: Ein deutscher Tüftler baut sich im stillen Kämmerlein eine Feder­gabel, die so gut funktioniert, dass er sie jetzt verkaufen will. Wir sagen: Na dann mal los!
IntendBC Enduro-Gabel 164 mit mm Federweg
© Daniel Simon
IntendBC Enduro-Gabel 164 mit mm Federweg

Upside-Down-Gabeln zählen zu einer eher seltenen Spezies. Noch seltener sind Kopfüber-Gabeln aus Deutschland. Das will der niederbayerische Ingenieur und Hobby-Biker Cornelius Kapfinger nun ändern – denn so heißt der findige Kopf hinter der Marke Intend. Kapfinger verdient seine Brötchen hauptberuflich als Entwickler bei Trickstuff, aber privat konstruiert er Federgabeln. Zwei unterschiedliche Modelle hat er ertüftelt, eins für den Downhill-Einsatz und eins für Enduro. Wir konnten die 1 599 Euro teure Enduro-Gabel Edge bereits fahren. Der hohe Preis der blauen Sänfte rührt daher, dass Kapfinger noch in Kleinserie fertigt – doch das könnte sich schnell ändern.

Schon die Eckdaten begeistern: gemessene 164 Millimeter Federweg bei exzellenten 1945 Gramm Gewicht. Doch was am Ende zählt, ist der Fahreindruck. Mit durchmischten Erwartungen ging es zum Testen nach Finale Ligure. Bereits nach wenigen Metern bügelte die Edge jegliche Skepsis knitterfrei vom Trail. Vor allem das äußerst sensible Ansprechen der Luftgabel erstaunte: Die Upside-Down-Gabel filtert selbst feinste Unebenheiten heraus und sorgt für erstklassige Traktion. Auch große Schläge schluckt die Edge überzeugend, sie bietet dabei aber etwas weniger Feedback als beispielsweise eine Fox 36. Die Gabel arbeitet mit einer großen Positiv-Luftkammer und sich selbst einstellender Negativ-Luftkammer, sie dämpft durch offenes Ölbad und lässt sich in Zug- und Druckstufe justieren.

Und wie steht es mit dem großen Manko der meisten Upside-Down-Gabeln, der geringen Verdrehsteifigkeit? Die im Labor gemessene Lenkpräzision fällt auch bei der Intend niedrig aus, was sich in bestimmten Fahrsituationen auch auf dem Trail erfühlen lässt. Doch wirklich kritisch oder gar unkalkulierbar im Handling war die Gabel zu keiner Zeit. Ein paar Kritikpunkte gab es dennoch: Bereits nach wenigen Abfahrt ölte die Gabel auf der Luft­seite auf Grund von Dichtungstoleranzen. Zudem könnte die Zugstufe einen etwas breiteren Einstellbereich in Richtung schnell vertragen. Doch da will Kapfinger nachbessern.

PLUS   hoher Komfort durch bestes Ansprechverhalten
MINUS  starkes Ölen, zu kleiner Einstellbereich der Zugstufe

FAZIT: Beeindruckende Enduro-Gabel mit überzeugendem Komfort und sehr geringem Gewicht.

Preis: 1599 Euro
Info:  www.facebook.com/IntendBC

FREERIDE Titel 1/2017
© Ale di Lullo
Kommentare zu diesem Artikel
comments powered by Disqus
Das könnte Sie auch interessieren
Schlagwörter

FedergabelIntendBCEnduro-Gabeln

Diese Ausgabe 1/2017 bestellen