Test 2015: Enduro Bikes

8 Enduro Allrounder im Vergleich

23.02.2016 Dimitri Lehner - Sie sind die Arbeitstiere im Gravity-­Stall: Enduro-Bikes. Mit modernen Fahrwerken entwickeln sie enormen Fahrspaß bergab. Gleichzeitig sind sie vortriebsstark genug, um auf Shuttle-Dienste zuverzichten.
Test 2015: Enduro Bikes
© Wolfgang Watzke
Zugegeben: Big Bikes genießen das Vollgas-Image, doch auch moderne Enduros dürfen mit breiter Brust durchs Gelände stürmen. Es begeistert, was diese Allrounder alles drauf haben. Hier knattern die zwei charismatischsten Bikes des Testfelds um die Wette: Kona und Giant.

Sind das jetzt Enduros oder Superenduros?" Testfahrer Stephan Kappl schaut mich fragend an. "Superenduro war zwar ein cooler Name, Stephan, doch die gibt’s nicht mehr!" Tatsächlich haben wir zum besseren Verständnis die Bike-Kategorien ausgemistet. Ab jetzt nur noch: Enduros, Freerider und Big Bikes. Big Bikes ist klar, das sind die Boliden mit Doppelbrückengabeln und viel Federweg. Bei Enduros und Freeridern wird es schon schwieriger, die Übergänge sind fließend. Was ist noch Enduro, was schon Freerider? Faustregel: Freerider haben Federwege um 180 Millimeter und sind so robust gebaut, dass Trailrides damit eher mühsam werden. Auf den ersten Blick hätten wir zum Beispiel das schwere GT "Sanction" aus diesem Test eher in die Kategorie Freeride gepackt, doch die Kiste wird von Dan Atherton in der Enduro-World-Series gefahren – ein Enduro also. Kurzum: Die Bike-Klassen sind zwar übersichtlicher geworden, ganz eindeutig sind sie aber noch immer nicht.

Was ihr wollt: Alleskönner

Dürfte er nur noch ein Bike bis zum Ende seiner Tage fahren, würde selbst Freeride-Ass Darren Berrecloth sein Specialized-Enduro wählen. Der Grund ist offensichtlich: Mit dem Rad geht alles – wenn auch nicht immer optimal. Touren, Park, Sprünge, Downhill-Ballern und vor allem: die Feier­abendrunde auf gewellten Trails. Gerade letztere fordern ein schlankes Gewicht und vortriebsstarkes Fahrwerk – sonst wird’s zäh. Kein Wunder also, dass sich 58 Prozent der FREERIDE-Leser als Enduristen sehen, zu 73 Prozent Touren unternehmen und auf Trails unterwegs sind (Umfrage 2013). Folglich klopften auch wir die Testbikes auf einen möglichst breiten Einsatzbereich ab, statt Experten in nur einer Disziplin zu prämieren. Dennoch fiel dem Abfahrtsspaß die größte Bedeutung zu – schließlich sind wir hier bei der FREERIDE und wollen es bergab richtig krachen lassen.

Diese Enduro Bikes haben wir getestet:

• Bionicon Edison Evo
• Devinci Spartan RR
• Giant Reign 1
• GT Sanction Pro
• Kona Process 153 DL
• Mondraker Dune XR
• Müsing Petrol 7
• Rose Uncle Jimbo 3

Bikes in Uniformen

Wir forderten von den Herstellern ihre Top-Modelle aus Aluminium an – ohne Preislimit. Das sollte die Chancengleichheit erhöhen, egal ob Versender oder Fachhandels-Bike. Trotzdem überraschte uns, wie einheitlich die acht Bikes in den Test marschierten. Alle Räder besaßen Fahrwerke von Fox (4) oder RockShox (4) und waren mit der hippen 1x11-Schaltung ausgerüstet. Sie verzahnt die Kette so satt, dass sie selten runterspringt und Führungen überflüssig macht. Nur drei Hersteller fixierten den Antriebsstrang zusätzlich mit Führung. Wir sagen: Kettenführung muss nicht sein, wenn man keine Rennen fährt und nicht auf Nummer Sicher gehen will.

Wohlfühl-Geometrie

"Oh je, was machen wir, wenn die Böcke alle super sind?", witzelte ein Testfahrer beim Ausladen der durchweg hochwertig ausgestatteten Räder im Testrevier Latsch. Doch aus Erfahrung wissen wir, dass Ausstattung längst nicht alles ist. Viel wichtiger: eine stimmige Geometrie. Sie erzeugt den Wohlfühlfaktor eines Bikes – und das spürt man meist auf den ersten Metern. Parade-Beispiele: Kona und Rose. Aus Neugierde nahmen wir vom Rose "Uncle Jimbo" auch dessen Einstiegsmodell ("Uncle Jimbo 1") für günstige 1700 € mit und ließen es im Test mitlaufen. Siehe da: Dank seiner gefälligen Geometrie machte das Schnäppchen-Rad trotz einfacherem Fahrwerk mehr Spaß als mancher hochpreisige Konkurrent. Unser Fazit: Wer nicht aufgrund seiner Skills sehr hohe Geschwindigkeiten fährt, wird mit dem Günstig-Rose happy – allerdings ist eine (nachrüstbare) Variostütze ein absolutes Muss für diese Bike-Klasse.

Die richtige Größe

Interessant: die Zunahme der Reach-Werte über die Jahre (siehe Kasten rechts unten). Im Vergleich zum Vorjahr macht sich natürlich auch die Umstellung auf 27,5-Zoll bemerkbar. Dennoch: Der Trend geht – beeinflusst vom Rennsport – zu großen Rahmen für mehr Laufruhe. Manche Hersteller empfehlen daher L, wo sie vor Kurzem noch zu M geraten haben. Das Plus an Laufruhe erkauft man sich aber mit schlechterem Handling. Keine gute Idee, wie wir finden.

FAZIT: Aus dem hochkarätigen Testfeld stechen vier Bikes besonders heraus: Kona, Giant, Bionicon und Rose. Kona ist der Handlings-Favorit mit breiten Einsatz, Giant trumpft auf mit bester Leistung bergab und das Duo Bionicon und Rose mit Top-Leistungen in allen Disziplinen.

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