Test 2017: Worldcup Big Bikes

6 Worldcup-Downhiller im Test

01.02.2018 Christian Schleker - Wenn Gwin & Co. ins Starthäuschen rollen, sitzen sie auf High-Teck-Bikes, die schnell sein sollen. Wir haben uns die DH-Boliden der besten Fahrer gekrallt und mit Wyn Masters auf Alltagstauglichkeit geprüft.
Test 2017: Worldcup Big Bikes
© Wolfgang Watzke
Fremdgänger: Normalerweise ist Worldcupper Wyn Masters auf seinem GT Fury unterwegs. Hier schaukelt er Aaron Gwins YT Tues durch die Luft. "Es war spannend, die unterschiedlichen Bikes mal ausprobieren zu können", sagte Wyn.

Der Weltcupzirkus hat seinen Namen echt verdient! Denn was machte ein Zirkus früher mit den Menschen? Er faszinierte sie mit Unglaublichem: Hochseilartisten – ohne Netz! Löwenbändiger – oh Gott! Feuerspucker – zu Hülfe! Zirkus, das war: Gefahr! Drama! "Ich kann gar nicht hinsehen!"

Genau so geht’s uns in der FREERIDE-Redaktion, wenn wir sonntags vor dem Energiedrink-Internet-Player hocken und den schnellsten Fahrern der Welt beim Ritt auf der Rasierklinge zuschauen. "Woah, fast wäre Danny Hart bei Mach 2 per Highsider ins verfrühte Saisonende geflogen! Whaaat? Es beginnt zu regnen und Gwin fährt trotzdem die schnellste Zwischenzeit? Aaah, schon wieder hat’s dem Greg Minnaar das viel zu große Hinterrad zerschossen!" Wir altern beim Zusehen schneller, als die Profis den Berg runterzischen. Und beginnen sofort nach Rennende zu diskutieren. Welchen Anteil am Sieg hatte der Fahrer? Welchen das Bike? Speziell dieses Jahr wurde das Material so heiß diskutiert wie lange nicht: Denn das Santa Cruz Syndicate schob ausgerechnet zum Saisonauftakt im Wallfahrtsort Lourdes Downhill-Bikes mit 29 Zoll großen Laufrädern an den Start. Welch ein Sakrileg! Ab jetzt schauten Käufer und Hersteller doppelt gebannt auf die Ergebnislisten: Würden die Traktorreifen die Konkurrenz niederwalzen und damit alle aktuell zu kaufenden Bikes auf die Resterampe schicken, bevor ihr Verkauf überhaupt begonnen hat? Am Anfang sah es so aus: Das Team mit 29 Zoll fuhr Fabelzeiten im Training und konnte in Lourdes nur vom Wettergott (Blasphemie!) via Sturzfluten eingebremst werden.


Die Testergebnisse dieser Worldcup Big Bikes findet Ihr unten im Download-Bereich:

  • Canyon Sender CF 9.0
  • Intense M16C Pro
  • Mondraker Summum Pro Team
  • Specialized S-Works Demo 8
  • Trek Session 9.9 DH 27,5
  • YT Tues CF Pro Race

Nun ist die Saison rum – und auf allen Gipfeln ist Ruh. Ein 27,5-Zoll-Bike hat den Gesamtworldcup gewonnen. Ein 27,5-Zoll Bike hat die Weltmeisterschaft eingefahren. Keine Revolution. Keine Resterampe für Bikes mit kleineren Laufrädern. Gott sei Dank! So entsprechen fünf der sechs Bikes in diesem Test letztlich doch noch dem, was die Profis im Rennen unterm Hintern hatten. Mit dem YT Tues, dem Canyon Sender und dem Specialized Demo ist sogar die Top 3 des finalen Rankings vertreten. Das Mondraker schaffte es unter Danny Hart auf Platz 6. Dazwischen liegen nur die 29er-Prototypen von Santa Cruz und Intense. Und nur das Intense M16 ist damit "veraltet", denn der 29er-Carbonrahmen von Jack Moir (er fuhr damit auf Platz 4 im Gesamt-Klassement und bei der WM) scheint serienreif und dürfte das 27,5er-Modell bald ersetzen.

Getestet haben wir in zwei Wellen: Einen Tag scheuchte die FREE­RIDE-Crew die Bikes durch den Bikepark Bischofsmais. Am zweiten Tag engagierten wir in Schladming Worldcup-Pro Wyn Masters (neutral, da GT-Werksfahrer) und baten um seine Einschätzung. Überraschend für uns: Seine Fahreindrücke und Tuning-Empfehlungen deckten sich gut mit unseren. Nur beim persönlichen Set-up liegen buchstäblich Welten zwischen Hobbydownhillern und Profis. Wyn  fuhr zum Beispiel 50 PSI mehr in der Rockshox-Gabel (125 PSI!) – das Ding wurde damit aus unserer Sicht unfahrbar straff. Und das Komfortwunder Specialized Demo, unser aller Favorit, war Wyn Masters viiiel zu soft.

Fazit: Der Weltcup-Zirkus beschert uns nicht nur spektakuläre Action, sondern auch spektakulär gute Bikes. Dass es in diesem Formel-1-Testfeld wenig zu meckern gibt, überrascht kaum. Die Noten sind durch die Bank auf sehr hohem Niveau. Die Hersteller wissen mittlerweile genau, was sie tun – und wir Kunden profitieren davon. 


FREERIDE Titel 4/2017
© Nathan Hughes
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