Test 2017: Trailbikes bis 4000 Euro

5 aggressive Trailbikes im Test

22.01.2018 Christian Schleker - Diese Trailbikes sind – nach FREERIDE-Maßstäben artgerecht eingesetzt – Fahrzeuge für Individualisten mit deutlicher Tendenz zum Spielen mit dem Untergrund. Sie sind: Anders. Freier. Besser.
Test 2017: Trailbikes bis 4000 Euro
© Wolfgang Watzke
Spratz! Klar, auf dem Trail rumballern geht mit jedem Rad. Aber nicht jedes Rad macht beim Trailrumballern gleich viel Laune. Weniger Federweg, mehr Popp und trotzdem sicher, wenn’s schnell wird – das ist der Stoff, aus dem die spaßigsten Hausrunden sind. 

Kruntsch! Hinter der Landung schlagen die Kurbeln Kerben in den Trail. Der Reifen verkeilt sich im Sattel. Es rappelt und schabt, wie bei einem alten D-Zug bei der Einfahrt in den Bahnhof. Nach 10 Metern Schleifspur ist der Testtag für das Propain Tyee AM zu Ende. Die Sichtprüfung ergibt: Totalschaden des Carbonrahmens. Das Testfazit bis dahin ergab: Eins der geilsten Trailbikes im Test! Hä?

Zurück auf Anfang. Wie jedes Jahr prügeln wir uns in der FREERIDE-Redaktion zu Beginn der Saison darum, welche Testfelder es ins Heft schaffen. Ginge es nach dem Chef aller Cheffes, Dimitri Lehner, würden wir nur Doppelbrücken-Monster von Bikeparkkanten schubsen. "Big Bikes or die!", ist sein Schlachtruf bei den Meetings. Testchef (also auch irgendwie Chef, oder?) Chris Schleker nervt im Gegenzug schon seit Jahren mit seiner Askesen-Nummer, möglichst wenig Federweg durch möglichst sprunglastiges Geläuf zu treiben. "Popp or die!", ist deshalb sein zweideutiges Gegenargument. Gemeint ist die Sprungfreudigkeit straffer Federwege gepaart mit einem Handling irgendwo zwischen Enduro und Dirtbike. "Aggressives Trailbike" wird sowas seit ein, zwei Jahren genannt und da Downhill nicht jedermanns Sache, Enduro schon wieder out und All Mountain total BIKE ist, treiben alle die neue Sau durchs Dorf. Wir natürlich auch – bis der Arzt kommt. Oder der Rahmen bricht. Und da wären wir wieder mittendrin im Test. Kruntsch!


Die Testergebnisse dieser Trailbikes findet Ihr unten im Download-Bereich:

  • Canyon Spectral CF 8. EX
  • Giant Trance Advanced I
  • Kona Process 134 DL
  • Last Clay Trail
  • Propain Tyee AM Carbon Trail

Zugegeben, der Drop in Sölden war eigentlich nur aus Schlekernators Sicht noch mit dem Grundgedanken des Trailbikens zu vereinbaren: Bei voller Tiefenausnutzung liegen knapp 5 Meter zwischen Absprung und Landung. Die ist dazu noch eher felsig und weit weg. Nur mit viel Tempo, besagtem Popp und Hirnausschalten schafft man es bis ganz runter. 140 Millimeter Hub dürfen also durchaus in den Grenzbereich geraten. Aber genau darum geht’s: Ein Bike, das trotz All-Mountain-Hub und schnellem Handling dazu verleitet, richtig böse Freeride-Stunts anzugehen, macht sehr viel richtig. Einen Trail runterfahren, kann man ja mit jedem Bike. Aber WIE, ist doch die Frage! Mit rasierten Waden, schlecht sitzendem Vogelnest auf dem Kopp und eher vorsichtig, sobald es etwas steiler wird? Kauf dir ein All Mountain Bike! Mit Fullface, Knieschützern und Trinkrucksack schnaufend wie ein Teekessel bergauf und ansonsten eher träge wie ein Mehlsack? Ey, voll Enduro, Alter! Trailbiking heißt: Gas stehen lassen, geradeaus, hoch und runter! Und wenn eine Wurzel im Weg liegt, nicht ängstlich drumherum fahren, oder träge wegschlucken, sondern abziehen! Die fünf Räder im Test sind genau dafür gemacht. Theo­retisch. Manche Hersteller dübeln einfach eine etwas längere Gabel ins Bike, kürzen den Vorbau und sagen: "Bitteschön: aggressives Trailbike!" Kann klappen, muss aber nicht. Das derart gepimpte Canyon Spectral CF EX tendiert so eher in Richtung All Mountain mit nur leicht aufgebohrtem Spaßpotential. Krasser Gegensatz: Last mit dem idealtypischen Trailbike moderner Machart: Popp wie ein Flummi, Handling ausgewogen, sehr direkt und trotzdem laufruhig und schluckfreudig. Aggressiv? Keine Ahnung. Geil? Auf jeden Fall! Auch Propain, Kona und Giant warten mit jeweils ganz eigenem Charakter auf. Propain mit genialem Handlingsmix und noch laufruhiger als Last. Das schwere Kona mit eigener Mischung aus straffem Heck und tiefer Geo und Giant mit rasiermesserscharfen Fahrleistungen für deutlich fortgeschrittene Trailattackierer.

Fazit: Diese Trailbikes sind – nach FREERIDE-Maßstäben artgerecht eingesetzt – Fahrzeuge für Individualisten mit deutlicher Tendenz zum Spielen mit dem Untergrund. Nix Wurzelteppiche aussitzen, Hub arbeiten lassen und erst bei Riesenrampen abheben. Sondern rumchippen und hopsen, wie es Downhiller, Enduristen und All-Mountain-Biker eben nicht tun können, oder wollen. Anders. Freier. Besser.


FREERIDE Titel 3/2017
© Brendan Fairclough (GoPro)
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