Test 2016: High-End-Enduros

10 Edel-Enduros im Test

11.11.2016 Dimitri Lehner - No Limits ist die Devise dieser Bikes: Egal ob bergauf, bergab, bei Touren, Park-Einsätzen, Stunts oder Sprüngen – diese Enduros wollen überall eine rassige Figur machen und blaublütig durch Kurven schwingen.
Test 2016: High-End-Enduros
© Wolfgang Watzke
Rein in den Turn, raus aus dem Turn: Lapierre jagt Propain. Es erstaunt, wie viel Spaß moderne Enduros machen – selbst bei Highspeed in rauem Gelände.

Machen wir uns nichts vor: Wenn es darum geht, ein Bike für alles zu finden, ist das Enduro die erste Wahl. Für sehr erfahrene Biker mag der Spruch zutreffen: Trailbikes sind die neuen Enduros und Enduros die neuen Freerider. Denn je leichter das Bike, desto besser – spritziger, schneller, handlicher – ist es auch. Doch die Fliegengewichte mit knappem Federweg bieten leider wenig Reserven. Wenn man sie bei Drops und Sprüngen zweckentfremdet, sind Hobby-Biker schnell überfordern. Fakt ist aber: Enduros schaffen den größten Spagat im Einsatzbereich. Mit Enduros sind Trailfahrten und Touren möglich, auf anspruchsvollen Abfahrten entwickeln sie viel Fahrkomfort und sie bieten genug Fahrwerksreserven, um selbst im Bikepark noch Spaß zu machen. Kein Wunder also, dass sich das Gros der FREERIDE-Leser zur Kategorie Enduro zählt und folglich an dieser Bike-Klasse am meisten interessiert ist: 54 Prozent von euch fahren laut der letzten Leserumfrage die meiste Zeit auf dem Enduro und das bevorzugt auf Trails und Touren (76 Prozent).

Die Ergebnisse dieser High-End-Enduros findet Ihr im Test:

• Alutech Fanes 5.0 V.3C (FREERIDE Top-Score)
• Ibis Mojo HD 3
• Lapierre Spicy 527
• Norco Range C 7.2
• Orbea Rallon X-Team
• Propain Tyee CF Free
• Radon Swoop 170 10.0 HD (FREERIDE-Tipp: Preis/Leistung)
• Scott Genius LT 700 Tuned+
• Simplon Kuro 275 Alu
• Trek Slash 9.8

Ohne Preislimit

Wir baten die Hersteller um ihre Top-Modelle. Das bedeutet eine größtmögliche Chancengleichheit für alle, egal ob Versender oder Hersteller, die ihre Räder über den Fachhandel vertreiben. Zwar sind die Versender-Bikes noch immer wesentlich günstiger, doch die Fahrwerke und Ausstattungen spielen in der gleichen Liga. Um noch besser vergleichen zu können, haben wir wie üblich Einheitsreifen aufgezogen. Diesmal war es der bewährte Maxxis Minion DHF 2,4. Einzige Ausnahmen: Alutech und Scott. Scott stattete sein Bike mit 2,8-Zoll-Plusreifen aus und wir wollten wissen, wie sich das Bike im Vergleich zur Konkurrenz mit konventioneller 2,4-Zoll-Bereifung schlägt. Und Alutech setzte auf das neue Doppelkammersystem Deaneasy mit Hochdruck-Innenschlauch. Vorteil: weniger Durchschläge und mehr Grip dank geringem Luftdruck. Leider verlor der Vorderreifen ständig Luft und wir mussten dann doch auf die Maxxis-Einheitsreifen wechseln. Um die maximale Leistung aus jedem Bike zu quetschen, tauschten wir sogar zu schmale Lenker (Trek, Simplon) aus.

Vollgas oder Spieltrieb?

Lieber auf Laufruhe getrimmt oder wendig und verspielt? Diese Frage polarisiert und sie beschäftigte uns schon beim letzten Big-Bike-Test. Ganz ähnlich bei den Enduros. Die Enduro-World-Series hinterlässt Spuren und führt dazu, dass die Hersteller ihre Räder immer mehr auf Racing polen. So erkannten wir beim Lapierre deutlich die Handschrift von Vollblut-Racer Nico Vouilloz. Gemeinsam mit Radons Swoop verkörpert das Lapierre das Prinzip: länger, flacher, schneller. Fahrtechnik-Guru Stephan Herrmann glaubt, dass Hobbybiker von dem Plus an Laufruhe und Sicherheit profitieren. Wir dagegen sind der Meinung, dass sie mit einer gemäßigten Geometrie (Ibis, Norco, Alutech, Orbea) eher auf ihre Kosten kommen und von dem verspielteren Handling profitieren. Wer gerne in ruppigem Gelände unterwegs ist und auf Fahrwerksreserven schwört, sollte sich das Alutech genauer ansehen. Diesem Bike gelang der Mix aus sattem Fahrwerk und Verspieltheit am besten – es besitzt die meisten Freeride-Gene. Orbea und Norco zeigen einen ähnlichen Charakter. Straffer, direkter und leichter sind die Bikes von Trek, Propain und Ibis. Dadurch machen sie auf Touren und Trailrides am meisten Spaß. Das Simplon hinkte dem Testfeld etwas hinterher. In Medium fiel es recht klein aus, entwickelte durch die spezielle Geo und die gedrängte Sitzposition zu wenig Laufruhe und fühlte sich eher in technischen Passagen wohl. Die Abfahrtsexperten Radon und Lapierre dagegen begeistern durch ein hohes Speedpotenzial, bekommen aber Handlingsabzüge, sobald das Gefälle nachlässt. Eine Sonderstellung nimmt das leichte Scott mit seinen Plusreifen ein. Das Bike kann aufgrund seiner Wohlfühl-Geo alles sehr gut, doch die dicken Reifen sind speziell, punkten eher durch hohe Traktion bergauf als durch Komfort und Seitenhalt bergab. Sie könnten mehr Pannenschutz und ein groberes Profil vertragen.

Fazit: Jammern auf höchstem Niveau – bei diesen Testbikes kann man wenig falsch machen. Die Bergab-Spezialisten heißen Alutech, Radon, Lapierre und Orbea, die Allround-Asse mit hoher Traileignung waren Propain, Ibis, Trek und Scott.

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