Bikeparks im Test – Teil 2

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08/10/2011 „Bespaßung“ heißt die Mission der Bikeparks. Nirgends sonst kann so auf die Bedürfnisse von uns vergnügungssüchtigen Freeridern eingegangen werden wie auf diesen Spielwiesen für Biker. Leider gelingt die Mission nicht immer. Im zweiten Teil unseres Test haben wir sieben weitere Parks durchgecheckt.

Bitte unterhaltet uns! – diesen Appell schickten wir bereits im Auftakt-Test (Heft 3/11) an alle Bikepark-Betreiber. Je mehr lustige Gimmicks, desto besser – und zwar nach dem Motto: maximaler Spaß bei minimalem Risiko. Leider sieht die Realität häufig noch anders aus. Nicht selten sogar genau umgekehrt: minimaler Spaß bei maximalem Risiko.

„Die Mehrzahl der Parks geizt geradezu mit Bespaßung und Erlebnissen“, weiß Freeride-Pionier und Szenekenner Hans Rey, „stattdessen bieten sie oftmals dröge Abfahrten, die kaum den Liftpass wert sind. Der Hauptgrund, warum ein Biker irgendwohin fährt, ist das Fahrerlebnis und die Qualität der Trails. Die Bike-Destinationen fangen jetzt erst an, das zu begreifen. Bisher dachten die Alpendörfer, die Biker kämen wegen des Panoramas und der schönen Hotels.“

Kritikpunkt Nr. 2: Die falsche Zielgruppe wird anvisiert. Entweder der Bikepark Besucher kriegt langweilige Trails vorgesetzt, die keinerlei Fahrsensation bescheren, oft Wege völlig ohne Stunts und Sprünge, bestenfalls mit lahmen Holzbrücken bestückt – schade ums Holz! Oder das andere Extrem ist der Fall: Die Stunts sind so schwierig, dass sie sich nur von fünf Prozent der Parkbesucher bewältigen lassen. Das ist Unfug! „Mit gefährlichen ‚Do or die‘-Stunts haben sich die Bikeparks ihren Ruf versaut und die Leute abgeschreckt“, bestätigt Hans Rey und verweist auf sein neues Trail-Konzept flowiger Fun-Trails, das er gemeinsam mit Bikepark-Spezialist Diddie Schneider verwirklichen will.

„Flow Country“, nennt sich die Idee von standardisierten Trails, die den Gravity-Sport einem viel größeren Publikum eröffnen sollen. „So eine Euphorie habe ich noch nie bei Bikepark-Besuchern erlebt“, erinnert sich Hans Rey an die Eröffnung des ersten „Flow Country“-Trails im Bikepark Geißkopf, „alle hatten ein dickes Grinsen im Gesicht, vom Einsteiger bis zum Hardcore-Freerider oder Vollblut-Downhiller.“ Stattdessen erschrecken viele Parks ihre Besucher eher, als dass sie sie bespaßen. „Viele Bikeparks frustrieren, denn das Know-how fehlt, wie man Stunts baut und Trails richtig anlegt!“, resümiert Diddie Schneider. Doch andererseits erkennen immer mehr Parks das Erfolgsrezept hinter dem viel beschworenen Parade-Bikepark in Whistler – und adaptieren die Idee. Zum Beispiel der Park Lac Blanc in den Vogesen. Hier findet man spannende, flowige Trails mit gut geshapten Stunts und Sprüngen, die das Gefühl vermitteln, man würde verdammt gut fahren und den Wunsch erzeugen: gleich nochmal!

Oder der Park in Winterberg, der für trickorientierte Freerider das größte Angebot an Stunts und Sprüngen bereithält. „Je stärker die Konkurrenz unter den Parks, desto wichtiger wird es, gute Trails anzubieten“, sagt Diddie Schneider und Hans Rey prognostiziert vielversprechend: „Schon deswegen werden sich die Bikeparks entwickeln, ähnlich wie die Bike-Technik. Wir sind früher ja auch miese Gabeln und üble Bremsen gefahren. Es dauert eben, bis die Parks besser werden – das ist eine ganz natürliche Evolution.“ Daher freuen wir uns über jeden Neuzugang. Besonders über den Park Oberammergau, denn der liegt in unserer unmittelbaren Reichweite und soll in der nächsten Saison fertig sein. Ja, so vergnügungssüchtig sind wir!

Diese Bikeparks haben wir im zweiten Teil gecheckt:

1. Wagrain
2. Saalbach-Hinterglemm
3. Lac Blanc/Vogesen
4. Winterberg
5. Wildkogel/Neukirchen
6. Willingen
7. Tirol

Foto oben: Die Zeiten sind vorbei: Früher ließ man Biker den Lift benutzen und schickte sie über einen abgesperrten Wanderweg ins Tal – schon war der Bikepark fertig. Das reicht bei weitem nicht mehr aus. Jetzt wollen wir Freerider bespaßt werden mit professionell gebauten Stunts wie diesem monströsen Holzanlieger am Wildkogel. (Foto: Markus Greber)