Indonesien: Freeriden auf Bali

Abenteuer-Trip: Biken und Surfen auf Bali

19.08.2016 richie Schley, Andrew Taylor, Marius Hoppensack - Freeriden auf Bali? Naja, in erster Linie wollten die drei Profi-Biker dem Winter entkommen. Andrew Taylor, Marius Hoppensack und Richie Schley machten sich auf den Weg nach Indonesien.
Indonesien: Freeriden auf Bali
© Jan Fassbender
Mit Vollgas den Vulkan runter – das geht auf Bali, sonst ist die Insel im Indischen Ozean aber nur bedingt zum Biken geeignet.

Um aus der Kälte zu entfliehen, sollte der Trip nach Bali gehen: Andrew Taylor freute sich aufs Biken in Balis Vulkanlandschaft. Team-Kollege Marius Hoppensack gruselte es, mit Fremden zu verreisen, und Freeride-Ikone Richie Schley freute sich über Strand und Bikini-Schönheiten. 

Marius Hoppensack: "Du hast ein Leben!", krieg ich oft zu hören und alle denken, Profi-Biker zu sein, wäre Zuckerschlecken nonstop. Doch ein Trip wie dieser hier nach Bali kann schnell zum Höllentrip werden – vor allem wenn du mit den Typen zuvor noch nie unterwegs warst, so wie es bei unserer Adidas-Team-Reise nach Bali der Fall war. 24 Stunden am Tag macht man alles zusammen, muss sich ständig absprechen und diskutieren, sobald jemand eine andere Meinung hat. Ich habe Richie zuvor nur auf Events getroffen und nie länger als ein paar Minuten mit ihm geredet. Andrew kannte ich noch weniger. Zumindest als Profi-Athleten hatte ich von den beiden aber ein gutes Bild: Andrew hat zusammen mit Niki Leitner 2010 die "Season of Shred"-Reihe ins Leben gerufen und Richie war schon ein Star in der Szene, als ich gerade begonnen hatte, Mountainbike zu fahren. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal "New World Disorder" sah und Richie darin Gaps gesprungen ist, an die ich mich selbst heute nicht trauen würde.

Als ich nach Endlosflug in Bali ankam, waren Andrew und Richie schon da. Gleich unsere erste gemeinsame Session ließ erahnen, wie unser gesamter Roadtrip aussehen würde: Es begann damit, dass wir auf Richie warten mussten. Er war so ziemlich immer der Letzte. Beim Frühstück, im Auto, auf der Strecke oder beim Bummeln an der Strandpromenade. Ich weiß nicht warum, doch auf jedem Roadtrip scheint es diese Person zu geben, auf die das gesamte Team immer warten muss. Bei uns war es Richie. Wenn der Fotograf die Kamera rausholte, machte Richie allerdings alles wieder wett: Er sieht auf Fotos 20 Mal stylischer aus als Andrew oder ich. Dazu ist er wohl der bestgekleidetste Biker, den ich je gesehen habe. Alles an ihm passt perfekt zusammen: von der Helmfarbe bis zu den Handschuhen und seinem Rad, das komischerweise immer blitzsauber ist. Wie kriegt der Typ das nur hin? Auf der Rückfahrt ins Hotel witzelten Andrew und ich darüber, dass das wohl der Grund sei, warum es Richie geschafft hat, sich seit fast 25 Jahren in der Szene zu halten.

Andrew ist ein ganz anderer Typ. Er redet nur halb so viel wie Richie, strotzt aber vor Motivation. Um 5 Uhr aufstehen, um die Morgenfrische zum Trailbau auszunutzen? Kein Problem für Andrew. Andererseits kann er auch auf der Veranda sitzen und eine halbe Stunde in die Ferne schauen. Richie dagegen muss immer reden, wir tauften ihn: "Radio". Oft hörte ich ihm schon gar nicht mehr zu, weil es irgendwann zu anstrengend wird, den Schwall an Informationen zu verarbeiten. Bali war beeindruckend, doch noch spannender fand ich, diese so verschiedenen Typen kennenzulernen und zu analysieren – und am Ende war ich froh, dass der Bali-Trip nicht der befürchtete Höllentrip wurde.

Abenteuer-Trip: Biken und Surfen auf Bali
© Jan Fassbender
Marius Hoppensack

Richie Schley: "Bali ist eine andere Welt. Wann immer ich die Annehmlichkeiten von zuhause oder ganz allgemein meine Komfortzone hinter mir lasse, ist das für mich eine Herausforderung. Ich bin ein gutes Leben gewohnt. In Kanada geboren, wohnhaft in Kalifornien, oft in Deutschland unterwegs: In meiner Umgebung ist alles immer gut organisiert, sauber und geregelt. All das lässt du hinter dir, wenn du auf Bali aus der Flughafenhalle heraustrittst. Mini-Autos überall, mehr Roller wimmeln durch Sträßchen, als du je in deinem Leben gesehen hast, ein Gestank von Autoabgasen in der Nase und konstantes Hupen in den Ohren. Was ein Stress!

Die Strecke vom Flughafen zu unserer Unterkunft in Canggu ist nur ungefähr 20 Kilometer lang, doch der chaotische, zäh fließende Verkehr machte daraus eine zweistündige Reise. Es hat mich während Trips in solche Länder immer erstaunt, wie so ein Chaos funktionieren kann. Nur zum Biken nach Bali zu kommen, ist Unsinn. Deswegen fliegt man nicht um die halbe Welt. Man fliegt nach Bali, weil man nach Bali will, also das ganze Programm genießen: Tropen, Menschen, Kultur, Meer, Surfen – ja, und auch Biken, wenn man will. Yoga gehört natürlich auch irgendwie zu Bali. Viele schöne Frauen reisen auf die Insel, um ihre Erfahrungen zu vertiefen oder selbst Yoga­lehrerin zu werden. Daher war klar, dass wir eine Privatstunde buchten. Seit einigen Jahren schon versuche ich mich immer mal wieder im Yoga und weiß, wie schwierig es für Anfänger sein kann. Deshalb ahnte ich bereits, dass es mit meinen jungen Teamkollegen sehr unterhaltsam werden könnte. Beide haben die Stunde jedoch gut überstanden – wenn auch nicht ohne Ächzen, Stöhnen und Gelächter."

Abenteuer-Trip: Biken und Surfen auf Bali
© Jan Fassbender
Richie Schley

Andrew Taylor: "Endlich Bali! Von Bali hatte ich schon so viel gehört – das musste ich sehen. Die Kultur, der ganz andere Lebensstil, Vulkane, Regenwald, Affen, Palmen, Strand, Wellen. Und dann noch das Klima! Während sich daheim alle fett anziehen mussten und dennoch mit roten Nasen durch die Gegend liefen, war hier Shirt und Short angesagt. Kurzum: Bali erschien mir als das perfekte Reiseziel. Besonders die Vulkane haben es mir angetan. Die Insel hat drei aktive Vulkane: Batur, Bratan und Agung, die alle in Blickweite voneinander liegen. Als ich zuhause nach Locations scoutete, stieß ich auf diese schwarzen Ungeheuer und wusste: Da will ich unbedingt mit meinem Bike runtersurfen. Die Bali-Locals Alex und Iwan glaubten, dass für meine Zwecke der Vulkan Batur am besten geeignet sei. Als sich unser Van über die buckligen Straßen quälte und Iwan plötzlich auf den vom schwarzen Sand bedeckten Vulkan deutete, zauberte dieser Anblick jedem von uns ein Lächeln ins Gesicht. Wir alle wusste, dass nun die Zeit gekommen war, das erste Mal aufs Rad zu steigen. Denn Biken ist auf Bali so ’ne Sache. Es gibt zwar Trails, doch die muss man kennen. Die steilen, schroffen Vulkanhänge runterzucarven, war wie Tiefschnee-Fahren – definitiv das Highlight unserer Reise. Ich muss allerdings zugeben, dass Richie sich beim Carven am besten angestellt hat. Da konnten Marius und ich nur staunen."

Abenteuer-Trip: Biken und Surfen auf Bali
© Jan Fassbender
Andrew Taylor

"Auf Bali musst du Freeriden und Surfen kombinieren!" – Interview mit Richie Schley

Richie, würdest du einem Freund raten, nach Bali zu fliegen, wenn er im Winter Freeriden will?
Wenn er nur auf Biken abonniert ist, sicher nicht. Auf Bali stimmt eher die Mischung: Strand, Berge, Wärme, Exotik. Die Insel hat viele schöne Facetten, für die sich die lange Reise lohnt. Nur zum Freeriden nach Bali zu fliegen, braucht man aber nicht. Dafür ist das Angebot zu klein.

In Bali ist es tagsüber meist um die 30 Grad warm, dazu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Will man da überhaupt biken?
In den Bergen ist es nicht so heiß. Es gibt sogar einen kleinen Bikepark. Wir shuttelten ein paar Mal mit einem Van, danach pedalierten wir selbst die wenigen Höhenmeter hoch. Klar, es ist heiß, doch es geht.

Welches Bike braucht man?
Ein Enduro ist ideal. Die Park-Trails führen durch den Dschungel und sind mit gebauten Sprüngen gespickt. So richtig grob wird es jedoch nie.

Nenn mir fünf Gründe, nach Bali zu fliegen.
1. Die Insel sollte jeder mal im Leben besucht haben.
2. Weil du Wellenreiten und Freeriden kombinieren kannst.
3. Weil die Trails durch den Dschungel führen.
4. Die Atmosphäre – perfekt zum Relaxen.
5. Die Vulkane. Hier kannst du mit dem Bike runtersurfen und es ist nicht einmal verboten, soweit ich weiß.


INFO BALI

Anreise: Zielflughafen Denpasar. Flüge gibt’s ab ca. 700 €. Günstige Angebote können allerdings gerne mal zwei Stopps und 30 Stunden Flugzeit beinhalten.

Unterkunft: z.B. The Chillhouse, www.thechillhouse.com

Beste Reisezeit: Im Winter. Von November bis März ist zwar Regenzeit, doch die Regenschauer sind meist nur kurz.

Sonstiges: Das Leben auf Bali ist günstig. Apartments gibt’s bereits für unter 15 Euro.

Bestes Fortbewegungsmittel: Leih-Motorroller.

Sonstige Aktivitäten: Wellenreiten, Schnorcheln, Tauchen, Wandern.

FREERIDE Titel 4/2015
© Ale Di Lullo
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