Downhill-Weltmeisterschaft Val di Sole

Wer wird Weltmeister 2016?

19.08.2016 Dimitri Lehner - Gwin, Hart, Bruni oder doch ein Überraschungskandidat – wer wird Weltmeister? Wir befragten Deutschlands erfahrensten Worldcupper und unser Downhill-Orakel Marcus Klausmann. Der Mann weiß Bescheid!

Seit Jahren nennt uns Marcus Klausmann seine WM-Tipps und traf damit schon exakt ins Schwarze. Kein Wunder: Klausmann fuhr selbst unzählige Worldcups und mischte ganz vorne in der Weltspitze mit. Kaum ein anderer Fahrer kennt sich so gut aus in der Szene wie Klausmann. Hier sein WM-Ranling!

Downhill Weltmeister
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Ist das der neue Weltmeister im Downhill? Unser Downhill-Experte Marcus Klausmann glaubt, dass der Franzose Loic Bruni in Val die Sole am 11. September siegen wird und seinen Titel verteidigt. Foto: Red Bull

1. Loic Bruni (Specialized)

Marcus Klausmann: „Loic wird es gelingen seinen Titel zu verteidigen. Wer den Franzosen in Mont Sainte Anne gesehen hat, weiß warum:Vier Monate Pause nach Schlüsselbeinbruch und dann gleich wieder aufs Podium – das war spektakulär. Man konnte auch erkennen, dass Loic jetzt mit mehr Respekt fährt. Er musste schmerzhaft erfahren, dass er doch nicht unverwundbar ist. Ich hatte mich bei seinem Vollgas-Run in Lourdes schon gefragt, wie lange er sein Glück noch überstrapezieren will; der Typ fuhr gnadenlos überm Limit. Jetzt hat Loic dazu gelernt. Das ist gut so und davon wird er bei dieser WM profitieren. Er besitzt die Kaltschnäuzigkeit, die so ein Weltmeister-Run erfordert.

Downhill Weltmeister
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Loic Bruni im Glück: 2015 wird Bruni Weltmeister ohne vorher je einen Worldcup gewonnen zu haben.Foto: Red Bull

2. Greg Minnaar (Santa Cruz)

Marcus Klausmann: „Kein anderer Fahrer ist so routiniert wie der dreifache Weltmeister Greg Minnaarn und Rekord-Worldcup-Sieger – und kein anderer Fahrer kann sich so konsequent fit machen für eine WM wie der Südafrikaner. Das hat er in den letzten Jahren bewiesen. 2015 Silber. 2012 und 2013 Gold. Ein Podiumsplatz scheint bei Minnaar Standart zu sein. Zudem liegt ihm die Strecke in Val di Sole – dort hat er schon super Ergebnisse eingefahren. Die Fahrwerksprobleme, die Santa Cruz zu Anfang der Saison hatte, scheinen behoben – jetzt hat er wieder volles Vertrauen in sein Rad."

Downhill Weltmeister
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Souverän, smart, siegessicher: Greg Minnaar. Schon drei Mal konnte Minnaar Weltmeister werden. Foto: Red Bull

3. Danny Hart (Mondraker)

Marcus Klausmann: „Danny ist ein Kämpfertyp. Downhill ist Dannys Leben und seine ganze – vielleicht einzige Leidenschaft. Downhill scheint alles, was den 24jährigen Engländer interessiert. Manche behaupten sogar, Biken sei alles, was Danny kann. Doch das kann er verdammt gut. 2011 wurde er Weltmeister mit seinem spektakulären Matsch-Run in strömenden Regen, wo er auch noch Stahlnerven bewies und einen Whip kurz vorm Ziel raushaute. Doch seit 2011 hat er damit zu tun, seinen Weltmeistertitel zu rechtfertigen. Das gelang ihm nicht – bis jetzt. In Lenzerheide errang er dieses Jahr seinen ersten Worldcup-Sieg. Nun in Mont Sainte Anne gleich den Zweiten. Wer sich den Lauf angeschaut hat, spürte sofort: Der Typ ist sau schnell, der Typ will es wissen. Danny hat definitiv seine Raketen gezündet und das wird er auch bei der WM zeigen. Neuer Trainer und ein härteres Training haben sich ausgezahlt – Danny ist jetzt zu einem richtigen Leistungssportler geworden.“

Downhill Weltmeister
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Danny Hart: Zwei Worldcup-Siege in Folge – jetzt vielleicht auch Weltmeister? Wir wünschen es dem Vollblutracer aus England. Experte Klausmann sagt: „Leider nur Dritter!“ Foto: Red Bull

Gwin, Brycland, Atherton

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Er schien den Worldcup-Sieg 2016 schon in der Tasche zu haben – doch jetzt wird's in Andorra beim letzten Worldecup-Stopp noch mal spannend. Dass Gwin Weltmeister wird, glaubt Experte Klausmann nicht: „Wenn’s um die Wurst geht, flattern Gwins Nerven!“ Foto: Red Bull

Marcus Klausmann: „Was ist mit Aaron Gwin? Das werden jetzt alle fragen. Ich weiß, der Ami aus Südkalifornien zeigt eine erstaunliche Konstanz. Doch, wenn es wirklich um die Wurst geht, dann zeigt Gwin Nerven. Das ist der Grund, warum er bisher keine WM gewinnen konnte. Ich glaube, dass sich diese Pechsträhne für Gwin fortsetzen wird.“

Downhill Weltmeister
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Was ist nur los mit dir Rat-Boy? Der GEsamtsieger des Worldcup 2014 scheint nach seiner Verletzung total aus dem Tritt und fährt momentan nur hinterher. Ob er In Val di Sole einen Überraschungssieg landen kann? „Sicher nicht“, sagt Klausmann.

Speedkiller

Downhill Weltmeister
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Oh Gee, du machst Sachen. In Fort William sah alles so gut aus und dann schmierten die Reifen weg. Die Saison scheint gelaufen – doch vielleicht packst du in Val di Sole das Schicksal am Schopf und wirst Weltmeister. „Von was träumt ihr nachts?“, kommentiert Klausmann. Er glaubt nicht, dass Gee das Podium erklettert. Foto: Red Bull

Marcus Klausmann: „Übrigens: Man kann als Worldcupper seinen Speed auch verlieren. Das geht schneller als man denkt. Auslöser kann z.B. eine Verletzung sein. Bestes Beispiel: Josh Bryceland aka „Rat-Boy“. 2014 noch WM-Silber und Sieger des Gesamtworldcup – und dieses Jahr? Da fährt der Engländer mit seiner charakteristischen Zottelmähne gnadenlos hinterher. Für Gee Atherton gilt das Gleiche. Das ist bitter.“

 

Zur Person: Marcus Klausmann (Team Nox) ist 15facher Deutscher Downhill-Meister und schon lange im Downhill-Geschäft. Bereits 1996 zählte der Badener zu den Besten der Welt und lies sich erst in letzter Sekunde den Worldcup-Gesamtsieg von Nico Vouilloz abjagen. Klausmann gilt als analytischer Fahrer mit hohem technischen Verständnis. Von seiner Expertise profitieren Bike-, Teile- und Reifenhersteller, aber auch Zeitschriften – die FREERIDE verpflichtet Klausmann gerne als Testfahrer. Momentan konzentriert sich Klausmann auf Enduro-Rennen und fährt für die Berliner Bikeschmiede Nox. Mehr zu Klausmann unter: www.marcusklausmann.de 

Downhill Weltmeister
© Dimitri Lehner
Deutsche Downhill-Ikone im Wortsinn: Marcus Klausmann (38) mischt schon lange in der Szene mit, trianiert konsequent wie kaum ein anderer deutscher Downhiller nach ihm und ist neben Jürgen Beneke Deutschlands erfolgreichster Worldcupper.
Macus Klausmann jagt sein neues Big Bike von Nox über die schwarze Downhill-Strecke La Nuts im Bikepark Lac Blanc in den Vogesen. Klausmann fährt mit Leidenschaft Big Bike, konzentriert sich in letzter Zeit allerdings mehr auf Enduro-Rennen. Bei der Deutschen Meisterschaft wurde er trotz Mini-Training Vierter.

 

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