Red Bull Rampage

„Das war Bad Ass!“

04.10.2017 Dimitri Lehner - Am 27. Oktober findet die 12. Red Bull Rampage in den Felsen Utahs statt. Wir sprachen mit Organisator Todd Barber über den Superwettkampf. Was war, was kommt?
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Sagt wo’s lang geht: Todd Barber organisiert die Red Bull Rampage seit 2001, bestimmt maßgeblich, wer starten darf und wie sich der Wettkampf verändern soll.

Todd, du zählst zu den Erfindern der Rampage und organisierst den Superwettkampf seit 2001. Dieses Jahr findet die Rampage zum 12. Mal statt und du glaubst, dass sie spektakulärer wird denn je. Warum?

Letztes Jahr zogen wir zu einer neuen Location um. Immer noch in Virgin, Utah, doch weg aus den Klippen, wo die Rampage all die Jahre stattfand. Ich glaube, dass die Fahrer das Gelände jetzt besser kennen als letztes Jahr. Sie müssen sich die Abfahrtsstrecken nicht komplett neu bauen, sondern können sie feintunen. Das wird die Athleten noch selbstbewusster machen und sie werden besser fahren denn je. Zusätzlich haben wir einen neuen Bergrücken mit einbezogen, was zusätzlich die Spannung hoch treiben wird. Ja, ich glaube, dass uns die spektakulärste aller Rampages bevor steht.

Manche sind der Meinung, dass in der Vergangenheit gebaute Stunts wie der legendäre Oakley Sender (ein 17 Meter hoher Drop) und das 25 Meter weite Canyon-Gap die Rampage erst zum Superwettkampf gemacht haben. Denn selbst Laien war sofort klar, dass solche Stunts extrem sind. Doch die gebauten Stunts wurden seit letztem Jahr verbannt. Eine richtige Entscheidung?

Auf alle Fälle. Jeder, der mit der Rampage zu tun hat, ist froh, dass wir uns so entschieden haben. Denn das klärte den Blick der Athleten fürs Gelände. Seit letztem Jahr können sie überall hin im Gelände, ihre Abfahrt bauen und damit ihren Fähigkeiten bestmöglich zur Schau stellen. In der Vergangenheit fühlten sich die Athleten unter Druck gesetzt, ihre Abfahrten auf die Superstunts auszurichten, denn sie wussten, dass es da besonders viel Punkte geben würde. Unsere neue Regel beflügelte die Athleten regelrecht und ich konnte beobachten, wie sie und ihre Bautrupps mit viel mehr Begeisterung ans Werk gingen.

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Keine gebauten Stunts mehr bei der Rampage! Dabei sorgten die Bauten wie der legendäre Oakley Sender für radikalste Action. Hier scheitert James Doerfling an dem Superdrop.

Bei der letzten Rampage hieß es: keine gebauten Holz-Stunts mehr. Gibt es für dieses Jahr weitere Veränderungen?

Dieses Jahr gibt es keinen Qualifikationswettbewerb an einem anderen Ort, sondern alle Runs werden gleich fürs Finale gebaut. Bis auf den neuen Bergrücken ist alles gleich – er erlaubt einigen Fahrern sich noch kreativer auszutoben.

Der junge Franzose Vincent Tupin profitierte davon, dass sich Favorit Graham Agassiz verletzt hat und nicht antreten kann. Er bekam Aggys Platz. Doch sonst gelingt es neuen Talenten selten, bei der Rampage starten zu dürfen. Schade eigentlich.

Es freut mich, dass Vinny-T dabei ist. Doch ich gebe dir Recht, es ist schwer neue Talente starten zu lassen und gleichzeitig die Favoriten alle dabei zu haben. Deswegen haben wir uns entschlossen 2018, einen eigenständigen Qualifikations-Event zu organisieren, eine kleine Rampage sozusagen. Schließlich gibt es weltweit sonst keine Big-Mountain-Wettkämpfe. Dadurch wollen wir den neuen Talenten eine Chance geben.

Wer entscheidet denn bisher, wer an der Rampage teilnehmen darf?

Wir haben ein Rampage-Komitee. Es besteht aus ehemaligen Rampage-Fahrern und Insidern der Szene. Sie bestimmen, wer eine Wildcard kriegt. Konkret sind das Nico Vink, Aaron Chase, Cam McCaul, Randy Spangler und ich. Wir verbringen viel Zeit damit, die ganzen Bewerbungen einzuschätzen und abzustimmen, wer dabei sein sollte und wer nicht. Momentan dürfen die Top-10 des Vorjahres starten zuzüglich 11 Wildcard-Fahrer.

Vor einigen Jahren hattet ihr euch auf die Suche gemacht nach einem alternativen Rampage-Gelände irgendwo auf der Welt. Bis in die Wüste Gobi brachte euch die Suche, dennoch findet die Rampage immer in Utah statt. Habt ihr die Suche aufgegeben?

Nein, die Suche dauert noch immer an. Wir wurden sogar fündig und haben ein paar spannende Orte in peto. Doch wenn jemand, was weiß und glaubt das ideale Gelände zu kennen, dann her damit! Wir sind offen für Vorschläge. Dennoch: Die Anforderungen sind sehr speziell, schließlich wollen wir keinen Schritt rückwärts machen, der Fortschritt muss weitergehen.

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Rampage-Veteran Darren Berrecloth checkt das Gelände der Wüste Gobi auf Rampage-Eignung. Bisher wurde noch kein Alternativ-Schauplatz für die Rampage gefunden.

Stimmt es, dass kein anderer Mountainbike-Event so viel Medien-Interesse generiert wie die Rampage?

Ja, unsere Media-Daten schlagen alle anderen Mountainbike-Events. Sie sind beeindruckend für jeden Sport, nicht nur im Vergleich zu anderen Bike-Events. Doch leider darf ich die konkreten Zahlen nicht nennen.

Hast du beeindruckende Fakten im Rückblick. Zum Beispiel: Wie hoch war der höchste Drop?

Das Canyon-Gap von 2015 war 25 Meter weit – das ist haarstäubend live vor Ort zu sehen. Erst dann kann man sich annähernd vorstellen wie viel Entschlossenheit und Mut es verlangt, da rüber zu springen. Dennoch beeindrucken mich die technischen Abfahrtslinien im fast senkrechten Gelände noch mehr. Da zu fahren ist so unbegreiflich schwierig. Ich denke da an die Steilabfahrten von Graham Agassiz und James Doerfling von letztem Jahr. Erst wer da selbst oben steht und über die Klippe blickt, vermag einzuschätzen, was für Bad-Ass-Fahrer diese Burschen sind. Es zeigt, dass sich die Typen auf einem ganz anderen Level bewegen.

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Kyle Strait in der Senkrechten: Manche Abfahrten sind in ihrer Schwierigkeit  für Laien nur schwer einzuschätzen.

Was sind deine Top-Momente aus 11 Jahren Rampage?

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Rampage-Highlight Nr. 1: Cam Zink wirbelt 2013 im Backflip über den Oakley Sender und bricht damit den Rekord für den höchsten Backflip. Angeblich 17 Meter runter, 20 Meter in die Weite.

Der Backflip von Cam Zink 2010 hat sich für immer auf meine Festplatte gebrannt. Schon wenn ich daran denke, stellen sich mir die Nackenhaare auf und ich kriege Gänsehaut. Dieser Moment hat die Vorstellung verändert, was möglich ist auf einem Fahrrad.
Dann ist da natürlich die erste Rampage 2001. Ich muss schmunzeln, wenn ich mir vorstelle wie roh und improvisiert der Event war und dennoch haben wir damals gespürt, dass das die Zukunft des Freeriding ist.
Eine ganz verwegene Nummer war auch der Auftritt von Steve Peat 2002. Er hatte die Qualifikation gewonnen, doch entschied sich dann lieber in Las Vegas Supercross anzugucken als seinen Final-Run zu machen. Wir badass ist das denn?!
2003 hatte ich mir das Canyon-Gap angeschaut, von dem Cedric Gracia sprach. Ich war mir sicher: Das ist unmöglich! Doch er hat es gestanden und landete auf Platz 1.
Und dann erinnere ich mich noch an Kyle Straits Suicide No Hander über den Bender Sender, einem monströsen Step-Down-Sprung. An diesem Tag war Halloween und Kyle stand im Bärenkostüm auf dem Podium!

Mehr zur Rampage und den krassesten Momenten aus 11 Jahren Rampage (ausgewählt von Rampage-Teilnehmer Guido Tschugg) gibt’s in der neuen FREERIDE. Ab 17. Oktober am Kiosk!

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