Bikepark Bischofsmais Geißkopf Deutschland

Bikepark-Test: Urgestein

24.04.2014 Dimitri Lehner - Der Bikepark Bischofsmais im Bayerischen Wald gehört zwar zu den Klassikern unter den Parks, doch Trailbauer Diddie Schneider sorgte dafür, dass er wieder auf den Stand der Dinge ist.
© FREERIDE Magazin

Der Name ist Programm – Flow ohne Ende und ein sehr guter Streckenzustand machen den "Flow Country Trail" zum Spaßgaranten für alle Könnensstufen, selbst für dicke Kinder (Foto).

Schon im Juni 1999 öffnete der Bikepark Bischofsmais seine Pforten. Jahrelang war der Park zwar ab­wechslungsreich, oft aber auch stumpf und gefährlich (Beispiel: alter "Evil Eye"­Trail). In den letzten zwei Jahren hat Strecken­-Designer Diddie Schneider dann häufiger den Bagger durch den Park chauffiert und spürbar aufgerüstet.

Die Strecken

Seit letzter Saison hat der Park zwei Lifte zu bieten: den langsamen Einer­-Sessel-­Lift und einen fast doppelt so schnellen Schlepper. Bei zweiterem muss man sich den Bügel selbst unter den Hintern ziehen. Das ist etwas beschwerlich, aber hat man es einmal raus, genießt man die schnelle Abfertigung und die hohe Zahl an Runs, die man damit runterspulen kann. 260 Höhenmeter sind es bis ganz hinauf, man kann aber auch bereits bei der Mittelstation aussteigen und von da Fourcross, Biker­-X, Dualslalom (alle Brechsand) und den letzten Teil des Downhills unter die Stollen nehmen. Speziell der Biker-­X ist schön flowig, ausreichend breit und mit seinen Table­Sprüngen ideal, um sich risiko arm an die Springerei heranzutasten. Wer’s kann,springt die Tables bis in die Landeschräge, wer sich noch nicht traut, landet oben drauf und Einsteiger überrollen die Sprünge. Auf dem Gipfel hat man die Qual der Wahl: "Downhill", "Freeride", "Evil Eye"­-Trail und der neue "Flow Country"­-Trail stehen zur Verfügung.

Den gefährlichen "You go first"­-Trail hat Diddie Schneider gesperrt, um ihn komplett zu überarbeiten. Die bisherigen Balance-­Stunts in Knochenbrecher­-Höhe will er so modifizieren, dass mehr Freerider Spaß haben als eine Handvoll angstfreier Experten. Der Downhill ist anspruchsvoll: Mit gutem Grundspeed kann man im oberen Teil einige große Sprünge nehmen, aber das setzt hohes Fahrkönnen voraus. Anfängern ist die offene Felswüste eine Nummer zu heftig. Speziell, weil der mittlere Teil dann auch noch recht steil wird. Reine Downhiller dagegen freuen sich über die vielen Möglichkeiten, neue Lines zu suchen und zu finden.

© FREERIDE Magazin

 Der "Evil Eye"-Trail sieht schlimmer aus, als er ist. Ab mittlerem Fahrkönnen kann man sich  auf  den  gut  gebauten  Northshore-Stunts
schön  erschrecken.  Lob:  die  Holzwelle  (Foto) ist  perfekt  gebaut  – so  muss  ein  Park-Feature aussehen.

Fazit: spaßig und anspruchsvoll, man sollte die Strecke zuvor genau inspizieren. Etwas weniger ruppig ist der "Freeride" – auch wenn der Wald­-Trail mittlerweile durch Erosion und hohe Frequentierung viel von seinem ursprünglich flowigen Charakterv erloren hat. Jetzt muss man ihn eher als Mini­-Downhill bezeichnen. Steilstufen, freigewaschene Wurzeln und Felsen verlangen im mittleren Teil bereits bei mäßigem Tempo gutes Fahrgefühl. Anfänger geraten schnell ans Limit.

Aber es gibt ja noch den "Flow Country"­-Trail. Im letzten Herbst eröffnet, soll er die neue Philosophie des Bikeparks transportieren, die da lautet: Spaß für alle! Um es kurz zu machen: Der Trail ist genial. Wenig Gefälle, griffiger Untergrund, viele kleine Sprünge, die man aber auch rollen kann. Nichts Schweres, aber alles sehr schön zu fahren. Selbst Kinder haben hier Spaß. Anfänger rollen einfach enspannt kurvend ins Tal, Fortgeschritte­ne tasten sich an erste Sprünge ran und Könner braten mit Vollgas und viel Luft unter den Reifen durch den Wald – wie auf einem riesigen Pumptrack. Kaum ist man unten, will man wieder hoch. Dieser Trail allein ist einen Parkbesuch wert.

Auch den "Evil Eye", die Northshore­-Strecke, hat Diddie überarbeitet. Ohne Angstschweiß kann man jetzt auch die höheren Konstruktionen wagen: Breit,stabil und sicher ist hier alles. Die steile Passage im unteren Teil wurde mit Kehren entschärft. Alles gut in Schuss und gepflegt, aber nur für Fortgeschrit­tene geeignet. Sämtliche Trails enden an der Jump-­Zone. Hier gibt’s eine mittel­große Tableline (perfekt gebaut, für alle Könnensstufen), zwei große Doublelines (nur für sehr fortgeschrittene Dirtjum­per), eine Dropbatterie, einen Wallride(schwer), einen kleinen Step­-up-­Step-­down und eine Trainingsline für Kids. Hier kann man auch ohne Liftnutzung rumspielen. So abwechslungsreich ist kaum ein Park, dank der "Flow­Country"­Strecke eignet sich Bischofsmais für die ganze Familie und für Biker sämtlicher Könnensstufen.

Informationen zum Bikepark Bischofsmais  Geißkopf:

  • Strecken: 5
  • Lift: 1er-Sessellift und Schlepplift
  • Saisonbeginn: Mai
  • Öffnungszeiten: 9.00-16.45 Uhr (nicht täglich offen!)
  • Tageskarte Erw.: 28,50 Euro
  • Bikeverleih: ja
  • Fahrtechnikschule: ja
  • Infotelefon: +49 (0)9920-903135
  • E-Mail: mtbzone@bikepark.net

Entfernungen:

  • Stuttgart 4 Stunden
  • München 2 Stunden
  • Frankfurt 4 Stunden
  • Berlin 6 Stunden
  • Innsbruck 3,5 Stunden
  • Basel 6 Stunden
Einsatzbereiche
Freeride  * * * *
Slopestyle * * - -
Downhill * * - -
Schwierigkeit
Anfänger   * * * *
Fortgeschrittene * * * *
Könner * * * *

Gesamtwertung: 8,5 von 10 möglichen Punkten

Der Geißkopf gehört trotz kurzer Strecken zu unseren Topfavoriten.

Weitere Infos unter http://www.bikepark.net/

Artikelstrecke "Spielwiese oder Stolperfalle? Lustgarten oder Survival-Parcours?"
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